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Vollgeld-Initiative überfordert Schweizer Politsystem

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Als Wirt­schafts­do­zent an einer Hoch­schule habe ich mich seit ei­ni­gen Jah­ren in­ten­siv mit dem In­halt der Voll­geld-I­ni­tia­ti​ve aus­ein­an­der­ge­set​zt. Nach dem Durch­a­ckern di­cker Wäl­zer und ein­ge­hen­dem Stu­dium auch der geg­ne­ri­schen Ein­wände bin ich zur Ü­ber­zeu­gung ge­langt: die In­itia­tive könnte um­ge­setzt wer­den, der Vor­schlag würde funk­tio­nie­ren und brächte den Men­schen viele Vor­tei­le.

Die Initiative, die am 10. Juni zur Abstimmung gelangt, lässt sich nicht ins übliche Links/Rechts – Schema einordnen. Sie ist «links», in dem Sinne, dass sie vor der Macht der Grossbanken nicht Halt macht. Sie ist liberal, da sie für alle Wirtschaftsteilnehmer​, auch für die Banken, gleiche Bedingungen fordert und keine Privilegien duldet. Sie unterstreicht aber auch die Souveränität der Schweiz und unseres Schweizer Frankens.

Weil sie nicht ins gängige Schema passt, ist das Schweizer Politsystem von der Vollgeld-Initiative überfordert. Da ist es für die Lobbyisten ein leichtes, den Politikern, von denen wenige die Vorlage verstanden haben (das musste ich im Gespräch mit National- und Ständeräten feststellen), ein paar Schlagwörter unterzujubeln, die von diesen dann gebetsmühlenartig wiederholt werden. 

Die Behauptungen der Gegner lassen einen erschauern: Eine Hyperinflation soll uns drohen, falls die Initiative angenommen wird! Unsere Wirtschaft würde durch fehlende Kredite abgewürgt! Und die Initiative sei aus einer ausländischen Verschwörung geboren, die den Schweizer Finanzplatz zerstören will! Bei der Vorlage handelt es sich demnach um ein Rezept für den sicheren Untergang der Schweizer Volkswirtschaft, das wahrlich durch den Teufel persönlich verfasst worden sein muss. 

In den bürgerlichen Parteien war der Einfluss der Grossbanken für die ablehnende Haltung ausschlaggebend. In einer der Parteien habe ich miterlebt, wie einzelne Figuren, die nicht durch besondere Kompetenz in der Materie auffielen, die Haltung der Partei massgeblich beeinflussen konnten. Bei den anderen bürgerlichen Parteien muss es sehr ähnlich abgelaufen sein.

Auf der anderen Seite wurden die SP und die Gewerkschaften mit dem Argument, die Vorlage wäre nicht etwas links, sondern vielmehr «rechts», verängstigt. SGB-Chefökonom Lampart schrieb, dass nach Annahme der Vollgeld-Initiative keine Konjunkturpolitik mehr möglich wäre – ein grundfalscher Gedanke.

Wer solche Schauermärchen liest, sollte sich drei einfache Fragen stellen:

  • Warum sollte sicheres Geld für uns alle ein Problem sein? Denn das ist der Kern der Vorlage.
  • Warum sollen wir der Verdrängung des Schweizer Frankens durch privates Bankengeld, die mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr weiter voranschreitet, tatenlos zusehen?
  • Warum bekämpfen insbesondere die Grossbanken Vollgeld so stark? Liegt es vielleicht daran, dass Banken im bisherigen System zwischen 2007 und 2015 durchschnittlich 2,8 Milliarden Franken zusätzlichen ungerechtfertigten Gewinn einstreichen konnten?

Falls dieser Leserbrief es schafft, dass Sie sich mit diesem Kern der Vorlage (siehe Titel dieses Leserbriefs) auseinandersetzen, anstatt sich mit Schlagwörtern zu begnügen, wäre viel erreicht.

Michael Derrer, Rheinfelden

Informati​onen auf www.vollgeld-initiati​ve.ch


Kommentare von Lesern zum Artikel

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100%
(1 Stimme)
Georg Bender sagte March 2018

Herr Michael Derrer
Verschwörungs​theorien?
Ihre betreute Bildung in Ehren, aber das bestehende Geldsystem steht nicht im Einklang mit Ihrem Beitrag! 99% der Ökonomen können oder dürfen das Geldsystem nicht verstehen, Stichwort "Zahler-Mythos"!
Den Zahler-Mythos erkennen, wäre nämlich die wichtigste Lehre, welche man daraus ziehen könnte!
Der gefährliche Mythos, dass der Staat für die Finanzierung seiner Ausgaben Steuereinnahmen benötige, müsse dringend entzaubert werden, wenn er nicht unweigerlich das Fundament unserer Geldwirtschaft untergraben soll."
Quelle: Makroskop Steuerfinanzierung von Staatsausgaben: Ein notwendiger Mythos? von Paul Steinhardt.
https://​makroskop.eu/2018/03/​steuerfinanzierung-vo​n-staatsausgaben-ein-​notwendiger-mythos/
​Die Geldschöpfung des Bankensystems aus dem Nichts, wie denn sonst, funktioniert in heutiger Form schon mehr als 200 Jahren (Bank of England)! Die einfältige Liquiditätsschöpfung durch die Zentralbank und Eigenmittelerforderni​s - Spiel der Ökonomen, sind kreierte Vorgaben, damit die Krise auf Knopfdruck, wie 2007 möglich wird.
Das Bankensystem erfüllt ein Treuhandderivat, weil aus der Geldschöpfung Guthaben nicht aber Verbindlichkeiten entstehen können.
Einzig die Konzentration der Geldschöpfung und Administration der Zahlen in der Bankbuchhaltung auf die Zentralbank als einzige Bank, sowie Verbot der AG-Form (schöpft das AK selbst, systemimmanent keine Pleite möglich, aber Dividenden - Geschenke an Private = Diebstahl von Volkseinkommen), Eigengeschäfte und Kreditvergaben als auch Beteiligungen an Investmentfirmen (definieren), würde eine zukunftsfähige Reform bedeuten. Alle anderen Personen sind Nichtbanken und Kunden der Zentralbank! Die Liquidität- und Eigenmittelspielereie​n würden obsolet.
Zum Schluss würde ich mich freuen von Ihnen als Wirtschafttheoretiker​, die Erklärung zu erhalten, welche geistige Fähigkeit die Initianten haben müssen um das Narrativ schöpfen zu können, dass
vor allem Kredite aus Kundenguthaben gewährt werden müssen, wenn doch die Schöpfung gerade umgekehrt verläuft?
Dieser Betrug darf von der Fakultät Ökonomie, nach wie vor ohne Strafverfolgung, gelehrt werden! Sie gehören dazu!
Auch die AG Form der Zentralbank ist ein Narrativ zu Lasten der Bevölkerung, ein Betrug der Fakultät Ökonomie!




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