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Das Gesundheitssystem braucht eine Kostenbremse

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Die Prämien für die Gesundheitsversorgung​ sollten nur um höchstens 1,2 Prozent erhöht werden: das war der Konsens aller Beteiligten, der überall verbreitet wurde. Aber dies wird nun in Frage gestellt. Der Minister für Gesundheit, Alain Berset von der SP, hat neue Regeln für die in jedem Jahr stattfindenden Prämienrunden eingeführt. Das hat zur Folge – eine nette Nebenwirkung für ihn, der die Botschaft überbringt – dass die sich ergebenden Prämiensprünge geringer ausfallen. Nach der alten Methode waren es 2,7 Prozent, nun aber 1,2 Prozent. 

Durch neue Zahlen werden Politiker und Prämienzahler gezwungen, ihre Maßstäbe zu überdenken. Die jährlichen Anstiege der Prämien sind ein zentraler Richtwert in der Gesundheitspolitik. Es wäre fatal, wenn scheinbar harmlosere Zahlen nun zur Folge hätten, dass vom Parlament weniger als bisher unternommen würde, um die Kostenentwicklung in den Griff zu bekommen. Denn dass die Kosten in letzter Zeit weniger angestiegen sind als allgemein erwartet, hat seine Ursache in diversen einmaligen Effekten. Ungelöst bleibt das Grundproblem: In der Gesundheitsversorgung​ der Schweiz ist niemand für die Gesamtheit der Kosten verantwortlich, auch nicht die Krankenkassen. Denn mit stetig ansteigenden Prämieneinnahmen lässt sich gut leben. 

Gesundheitsko​sten laufen aus dem Ruder

In der Vergangenheit sind die Gesundheitskosten und auch die Prämien stetig gewachsen, und zwar durchschnittlich 4,5 Prozent in jedem Jahr. Vergleichbar wäre eine Erhöhung der Mehrwertsteuer durch den Bund um ein Prozent, die alle vier Jahre vorgenommen würde. Das kann auf die Dauer ganz bestimmt nicht gut sein. Eine Expertengruppe, vom Bund einberufen, hat im letzten Jahr weitreichende Reformen angeregt. Die gesamte Gesundheitsbranche, angefangen bei den Ärzten bis hinauf zu den Kassen, beschwerte sich sogleich in suspekter Übereinstimmung: ein Budget für das Gesundheitssystem sei unbedingt erforderlich. Die Politik und das Volk der Schweiz sollten gemeinsam festlegen, welches Kostenwachstum vertretbar und für alle akzeptabel sein könnte. Anschließend soll sich die gesamte Branche zusammensetzen, um festzulegen, welche notwendigen und von allen zu akzeptierende Prioritäten definiert und umgesetzt werden. Vor allem haben sich bestimmte Medikamente deutlich verteuert, wie beispielsweise spezielle Medizin für Männer oder Blutdrucksenker.

Ein derartiges Vorhaben in die Tat umzusetzen ist gemäß seiner Natur äußerst schwierig und unangenehm. Und es sind damit Risiken verbunden, es drohen längere Wartezeiten bei den Ärzten und in den Krankenhäusern. Aber ein immenses Risiko besteht nach wie vor auf der Gegenseite, nachdem alle unternommenen Versuche fehlgeschlagen sind, die Kosten für die Dauer zu reduzieren. Nämlich alles so zu belassen, wie es bisher war.

 


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