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Der Bundesrat kündigte die WEITERE ELIMINIERUNG DER ARMEE an

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Der Bun­des­rat kün­digte die WEI­TERE ELI­MI­NIE­RUNG DER ARMEE (WEA) an, aber nie­mand las seine end­los lan­gen Pa­piere (frei nach Brecht).

Ergänzungen zum vimentis-Armeebericht​​​​

Der Bundesrat sprach in zahlreichen, endlos langen Papieren über die WEA: Sicherheitsberichte 2010, welcher als Grundlage der WEA diente, aber die Sicherheitslage in den Jahren vorher darstellte; Sicherheitsbericht 2016 (127 Seiten); mehrere Botschaften; Änderung der Rechtsgrundlagen; Erläuterungen zu den Änderungen der Rechtsgrundlagen etc. In der Militärdoktrin der Schweizer Armee sprach auch noch der letzte Chef der Armee zum Thema.

Die Sicht der politischen und militärischen Führung der Schweiz steht in einem schockierenden Kontrast zur Meinung der obersten militärischen Führung der USA, sowohl was die Beurteilung der Möglichkeit eines Kriegesund die Fähigkeiten ihrer potenziellen Gegner, als auch was das Bild eines künftigen Krieges betrifft.

Zur Erinnerung: Die Weiter Eliminierte Armee wird nur noch über folgende Kampftruppen verfügen: 2 Panzerbataillone, 4 mechanisierte Bataillone,​​​ 4 Artillerieabteilungen​​​​. Die übrigen paar Verbände in den 3 mechanisierten Brigaden sind Unterstützungseinheit​​​​en (Aufklärung, Genie, Sanität etc.). Die 17 Infanteriebataillone verfügen laut Bundesrat über "beschränkte Fähigkeiten".  Sie verfügen über keine Panzerabwehr-, keine Luftabwehr- und keine schweren Unterstützungswaffen.​​​ Sie sind hauptsächlich für die Unterstützung ziviler Behörden bestimmt (Rüfenen, Überschwemmungen etc.). Ihre Rolle laut Bundesrat: „Die Infanterie nimmt insbesondere diese Schutz- und Sicherungsaufgaben gegen Bedrohungen am Boden wahr. Sie muss zudem auch in der Lage sein, Hauptachsen zu überwachen und Nebenachsen zu schützen und zu sperren“. Aus ihren Überwachungsstellunge​​​​n kann sie dann dem Gegner beim Vorstossen auf den Hauptachsen zuschauen. Die Infanteristen sind Kanonenfutter.

Bis auf weiteres hat die Armee auch keine nennenswerte Luftwaffe oder Luftabwehr. Sie kann weder die meisten kritischen Anlagen (z.B. A-Kraftwerke), noch die Bevölkerung schützen, geschweige denn das Land verteidigen.

Aber lassen wir jetzt den Bundesrat und auch den letzten Chef der Armee sprechen (Zitate in Anführungszeichen und kursiv):

  • Der Bundesrat hält es für „unvermeidlich, die Fähigkeit zur Abwehr eines militärischen Angriffs auf den Erhalt und die Weiterentwicklung der Verteidigungskompeten​​​​z zu  beschränken.“ und das im geringstmöglichen Umfang“.
  • Die Schweizer Armee soll nicht mehr über die „Fähigkeit“ sich zu verteidigen verfügen, sondern nur noch über die „Verteidigungskompete​​​​nz, das „savoir-faire“, also wissen, wie man kämpfen würde, hatte man eine Armee dafür.
  • "Die Verteidigungsfähigkei​​​​t wird nur nach einem politischen Entscheid sowie einer längeren Vorbereitungszeit erreicht. Es soll nur noch eine kleine Zahl den Erhalt und die Entwicklung des für die Abwehr eines militärischen Angriffes notwendigen Know-hows garantieren" (Militärdoktrion der Schweizer Armee 2013).
  • Aber im Falle „konkreter Bedrohungen soll die Bereitschaft zur Abwehr eines militärischen Angriffs rasch erhöht werden“. Wie kann unsere politische und militärische Führung eine derartig dilettantische Aussage machen?  Wie lange vor Angriffen fangen „konkrete Bedrohungen“ an? Was versteht der Bundesrat darunter? Können im Zeitalter von Weltraum-, Cyber-, Prompt Global Strike Waffen, Inter-kontinentalrake​​​​ten und anderen Waffen Bedrohungen nicht sehr konkret werden, ohne dass wir es feststellen können? Braucht die Erhöhung der Abwehrbereitschaft nicht 10 bis 15 Jahre?
  • Obschon die WEArmee nicht mehr über die "Verteidigungsfäh​​​​igkeit" verfügen wird, soll sie „einen potenziellen Gegner durch eine Demonstration der eigenen Kampf-fähigkeit und Kampfbereitschaft von einem Angriff“ abhalten. Aber im Angriffsfall ist ihr Ziel, „möglichst viele eigene Mittel einem gegnerischen Luftschlag zu entziehen, die gegnerischen Luftstreitkräfte zu reduzieren, und die Bodenkräfte des Gegners unter Ausnutzung des Geländes durch eine Kombination von offensiven und defensi-ven Aktionen abzunutzen bzw. zu schlagen“. Alle fremden Generalstäbe sind bei der Aufarbeitung ihrer „Unterlagen Schweiz“ wohl in ein Gelächter ausgebrochen.
  • Der Bundesrates behauptet, "schwere terrestrischen Waffen" spielten heute keine grosse Rolle mehr und würden nicht weiter entwickelt. Aber weltweit werden zahlreiche neuen „schweren terrestrischen Waffen weiter entwickelt. So produziert Russland gegenwärtig 2400 Panzer einer neuen Generation (Armata) und hat die 1.Garde-Panzerarmee wieder aufgebaut. Warum arbeiten u.a. die USA, Israel, China an der Entwicklung neuer Panzer? Warum verschieben die USA vorausschauend schwere terrestrische  Kampfmittel nach Europa und lagern sie ein?
  • Obschon laut der Einleitung zu einzelnen  Unterlagen, aber auch zur Begründung der WEA vor dem Volk gesagt wird, die Armee werde voll ausgerüstet, wird das in den Texten mit folgenden Worten relativiert: „Werden solche Verbände zur Unterstüt-zung der zivilen Behörden eingesetzt, so bestehen auch hier einige „Ausrüstungs-lücken. Beruhigend wird angeführt, dass ablösende Verbände dann die Ausrüstung der ihren Einsatz beendenden Truppen übernehmen können, nachdem sie von der Logistikbasis wieder einsatzbereit gemacht worden seien.  Der Bundesrat rechnet offensichtlich nicht mit der Notwenigkeit, die gesamte Armee gleichzeitig einsetzen zu müssen. „Die Hauptsysteme (insbesondere Einsatzfahrzeuge wie Panzer, Schützenpanzer und Panzerhaubitzen) sind in genügender Anzahl vorhanden, sofern Material aus der Ausbildung abgezogen wird.“ 

Zum ersten Mal seit den napoleonischen Kriegen wird die Schweiz – da selbstverschuldet wehrlos – in einen sehr gut möglichen Krieg der Grossmächte in Europa mit hineingerissen. Wir lernen dann, mit viel Greueln, Schrecken, Leiden und Zerstörungen das verbunden ist und vor allem, dass es unendlich viel teurer ist, als es die Aufrechterhaltung einer verfas-sungsmässigen Armee gewesen wäre.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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(2 Stimmen)
Giorgio Plaz sagte December 2017

>> Warum verschieben die USA vorausschauend schwere terrestrische Kampfmittel nach Europa und lagern sie ein?

Weil man ohne "boots on the ground" nicht zum Ziel kommt.

"On ne détruit que ce que l'on remplace" (De Gaulle / Napoleon)

Ausnahme​:
Das Leben in Bodennähe ist ausgelöscht. Die Detonation einer einzigen (neueren) Interkontinentalraket​e kann das Leben auf einem Gebiet der Grösse Frankreichs nachhaltig auslöschen.

Was man seit Jahrzehnten weiss:
Bevor Kriege beginnen, muss die Bevölkerung medial zur Zustimmung gebracht werden. Hier gäbs schon seit Langem Bedarf und konkrete Bedrohungslagen (USA, Russland, China, Iran) sind auch präsent. Es geschieht aber in Europa zu wenig, finde ich. Alle verhalten sich wie Vasallen der USA.



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(7 Stimmen)
jan eberhart sagte December 2017

Zuerst muss geklärt werden, was gebraucht wird und welche Strategie man verfolgen wird im Fall der Fälle.

Sonst hat man nur eine nutzlose Magniot-Linie, die gegen deutsche Panzer und die Luftwaffe nichts ausrichten kann.




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56%
(9 Stimmen)
Alex Müller sagte December 2017

Lieber Herr Frick,
ihr Bericht tönt nicht gerade positiv.
- Den Berichten fehlt etwas die Aktualität zu den jetzigen Kriegsschauplätzen und politischen Entwicklungen.
- Wenn die Armeebestände verkleinert wurden, so sollte für diese ja genügend Armeematerial übriggeblieben sein. Keine Panzerabwehr zu führen halte ich nicht für nützlich. In all den "Toyota-Armeen" gibt es unzählige Panzerabwehrgeschütze​, welche von einem Mann getragen werden können. Auch Maschinengewehre auf normalen Pic-ups können eine enorme Wirkung erzielen.
- Was irritiert, sind Ankündigungen der Armee:
1. Eine kleine aber topausgerüstete Truppe aufbauen zu wollen. (Ich dachte, sind die jetzigen nicht ausgerüstet?)
2. Die Rekrutierung von Cyber-Soldaten, welche Cybrangriffe erkennen und abwehren lernen sollen.
> Wenn mein Gesamteindruck stimmt, gäbe es in unserer Armee zwei Fraktionen. Die eine "lebt" noch in der Zeit des zweiten Weltkriegs und eine andere möchte am liebsten eine Berufsarmee, welche mit Freiwilligen arbeitet und die die allgemeine Militärpflicht als veraltet betrachtet.
Ich denke für BR Parmelin ist das keine leichte Aufgabe.


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