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Anschlüsse Bus-Bus und Fernerkehr-Bus in den Abendstunden?

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Die Ant­wort des Stadt­rats auf die In­ter­pel­la­tion "An­schlüsse Bus-­Bus und Fer­ner­kehr-­Bus in den Abend­stun­den" ist eine ei­gent­li­che Of­fen­ba­rung. Sie zeigt ex­em­pla­risch auf, dass ein wei­te­rer Aus­bau des VBS­G-­Net­zes für die Be­die­nung der Stadt­quar­tiere in den Rand­stun­den nicht wirk­sam und nicht wirt­schaft­lich – und damit auch nicht zu­kunfts­taug­lich ist. Die Ant­wort zeigt aber auch: Das Sys­tem Bus kommt in un­se­rer Stadt immer mehr an seine Gren­zen – es wären ei­gent­lich neue Wege ge­fragt. Die Ver­kehrs­po­li­tik un­se­rer Stadt führt beim öV sonst immer mehr aufs Ab­stell­gleis.

(siehe auch Interpellation Barbara Hächler, Remo Daguati, Sandra Steinemann, Doris Königer, Daniel Rüttimann: Anschlüsse Bus-Bus und Fernerkehr-Bus in den Abendstunden)

Der HEV Stadtverband konnte mit seiner Studie "Wohnstandort St.Gallen" die Zusammenhänge zwischen Wohnen und Arbeiten klar aufzeigen: Wenn es der Stadt St.Gallen künftig nicht gelingt, die Tür zu Tür-Reisezeiten aus den Quartieren von und nach St.Gallen in umliegende Regionalzentren und nationale Zentren systematisch zu beschleunigen, dann wird es auch schwierig, den Wegfall von Arbeitsplätzen bei den unternehmensnahen Dienstleistungen aufzuholen oder Talente als Einwohner unserer Stadtquartiere zu halten. Schnelle Tür-zu-Tür-Zeiten mit dem öV sind genauso wesentlich wie eine gute Anbindung über die Strasse. Diese Hauptträger für die Erreichbarkeit von St.Gallen darf man auch nicht gegeneinander ausspielen, wird doch das Einzugsgebiet der Stadt St.Gallen für qualifizierte Arbeitskräfte und Besucher (also Einkauf, Innenstadt und Gastronomie) dank der Erreichbarkeit über die Strasse mehr als verdoppelt.

Der erste Teil der Interpellationsantwor​t bezieht sich generell darauf, aus welch zahlreichen Gründen eine Fahrplangestaltung nicht verbessert werden kann. Begriffe wie "Fahrplanmerkbarkeit"​ werden da angeführt. Gleichzeitig spürt man aus der Antwort des Stadtrats, wonach es hauptsächlich der Kanton sei, der über Leistungen befindet, eine gewisse Resignation. Die Stadt wirkt in diesem Prozess gemäss Antwort als eine Art "Bittstellerin", während dem das Amt für öffentlichen Verkehr (AöV) über die Umsetzung von Massnahmen befinde. Ist die Stadt wirklich so fremdbestimmt? Gibt es nicht andere Wege, um im Kantonsrat sowie bei SBB und Bund stärker Einfluss zu nehmen?

Die Interpellationsantwor​t zeigt auch klar auf, dass viel "Mist" im öffentlichen städtischen Verkehr hausgemacht ist. Man wird es beim Hauptbahnhof mit dem gewählten Durchflusssystem systeminhärent verpassen, die Reisenden des Fernverkehrs mit den VBSG besser abzufangen bzw. als Zubringer für den Fernverkehr zu dienen – das Prinzip Zufall bleibt beim Hauptbahnhof wohl Gesetz. Eine alleinige Fokussierung auf die Drehscheibe Hauptbahnhof ist deshalb nicht mehr zielführend. Der in der Antwort angekündigte Ausbau weiterer Haupt- oder Stammlinien für die Fahrpläne 2020/2021 bringt kaum Verbesserungen, da er die Leute nicht rascher in ihre Quartiere bringt, sondern die Frequenzen im Talboden weiter stärkt. Genau das ist nicht gefragt. Der Verkehrsträger Bus ist nicht geeignet, die Erschliessung unserer Stadtquartiere an Randzeiten und insbesondere bei den Aussenästen zu verbessern.

In der Einfachen Anfrage Scheitlin/Lüthi mit dem Titel "S-Bahn-Angebot in der Stadt St.Gallen" gibt die Kantonsregierung der Stadt auch einen Wink mit dem Zaunpfahl zur künftigen Entwicklung. Eine Stärkung der S-Bahn werde nicht priorisiert, weil in der Stadt bereits sehr viele Busse fahren. Oder frei interpretiert: Mehrkosten für eine bessere S-Bahn sind wohl durch eine Verschlankung beim städtischen Nahverkehr zu kompensieren. Dies würde auch Hauptbahnhof und Marktplatz – zwei Nadelöhre im heutigen Bus-System – deutlich entlasten. Den Status-Quo weiterzuführen ist aber sicher kein Plan. Das öV-System von St.Gallen muss gesamthaft cleverer werden und besteht nicht nur aus Bus oder VBSG. St.Gallen kegelt sich sonst aus der Standortgunst für Wohnen wie Arbeiten.

Wohin könnte der Weg führen? Die Reaktivierung der Stadtbahnhöfe mit einer starken S-Bahn würde Potential bieten, denn die Infrastruktur ist schon da. Dafür müsste das Flickwerk bei der städtischen S-Bahn schneller behoben werden. Die Stadt wird vom Kanton noch auf 2030/2035 vertröstet. Es ist aber bereits vielen klar, dass es raschere Lösungen braucht, denn die Entwicklungsaussichte​n von St.Gallen werden ein langes Zuwarten nicht goutieren.


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