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Als Stalin Krieg gegen die Schweiz forderte

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Als Sta­lin einen Krieg gegen die Schweiz forderte.

Wir heutigen Schweizer im tiefen Konsumrausch interessieren uns nicht mehr für die Zukunft unseres Landes. Und so haben wir die Armee praktisch abgeschafft und werden zum ersten Mal seit bald 200 Jahren in einen möglichen Krieg in Europa mit einbezogen und dann auf sehr harte Weise wieder Grundsätzliches über die reale Welt, und was es braucht, damit Staaten langfristig und in Frieden überleben, lernen. Viele Menschen glauben auch, alle Erfahrungen der Geschichte seien heute nicht mehr gültig. Dabei haben sich nur die Methoden und Techniken verändert, die Menschen aber nicht.

Im 2. Weltkrieg haben alle bedeutenden Mächte - Deutschland mehrmals, aber auch Frankreich, Grossbritannien, Italien - aus verschiedenen Gründen geprüft, ob ein Angriff auf die neutrale Schweiz erfolgreich sein könnte. Trotz der auch erkannten Schwächen unserer Armee, kamen alle zu einem negativen Schluss. Der deutsche Generalstabschef fügte zu Kriegsbeginn dazu noch an: „Eine Umgehung (der französischen Front) durch eine unverteidigte Schweiz wäre eine verlockende Möglichkeit“. Und 1943 schloss das Kapitel „Stärkebeurteilung der Schweizer Landesverteidigung“ in einer deutschen Angriffsplanung mit den Sätzen: Sie „verfügt über ein Heer, das schon wegen seiner zahlmässigen Stärke ein äusserst beachtlicher Faktor ist. Die Bezwingung der sich erbittert verteidigenden Truppen im Hochalpenreduit wird eine schwer zu lösende Aufgabe darstellen.“ Das war vor dem Zeitalter der Drückeberger.

Am Treffen in Moskau vom Oktober 1944 mit den in Frankreich an der deutschen Front lange feststeckenden Westalliierten forderte sie Stalin auf, die Front durch die Schweiz zu umgehen. Der Generalstab der USA prüfte das unter rein militärischen Aspekten. Am 29. Dezember 1944 schrieb er zu Stalins Forderungen an das alliierte Oberkommando in Europa (General Dwight D. Eisenhower): „1. Die Gespräche zwischen dem Amerikanischen Botschafter in Moskau und Stalin scheinen es möglich zu machen, dass die Russen Ihrem Vertreter die folgenden drei Vorschläge vorlegen könnten:“ (Die Forderungen a) und c) an die Westalliierten betrafen andere grosse militärische Operationen zur Unterstützung der Rote Armee. „b) Die Möglichkeit, die Siegfried-Linie durch die Schweiz zu umgehen.“ Dann folgt unter Punkt 2 die Stellungnahme des US Generalstabes zu den drei Vorschlägen Stalins. Zur Schweiz: „b) Die Verletzung der Schweizer Neutralität ist eine Frage für die Regierungen. Abgesehen davon, die Schwierigkeiten des Geländes, und die vermuteten Fähigkeiten der kleinen, aber effizienten Schweizer Streitkräfte, die auf ihrem eigenen Boden kämpfen würden, würden dieses Projekt aus militärischer Sicht ein zweifelhaftes machen. Ihr Vertreter sollte sagen, dass diese Frage zuständigkeitsgerecht​ durch die Staatschefs zu diskutieren sei“.

 Alle anderen Staaten, die sich „neutral“ erklärt hatten, aber keine starken Armeen hatten, wurden damals besetzt, mehrheitlich von Deutschland, aber in einem Krieg auf Leben und Tod selbstverständlich auch von den Alliierten, in dem nur gilt, was dem Sieg nützt. Die Territorialgewässer Norwegens wurden noch vor dem deutschen Angriff von Grossbritannien vermint, Island wurde von ihm als Nachschubbasis, wie auch Persien (Iran) von Grossbritannien und der UdSSR gemeinsam als geschützte Versorgungsroute besetzt, Portugal wurde gezwungen, den Betrieb einer alliierten Basis auf den Azoren zuzulassen. Nur die Schweiz wurde dank ihrer stark bewaffneten Neutralität verschont. (Nach Recherchen, die sich über mehrere Jahre erstreckten, erhielt der Verfasser von den National Archives der USA am 23. März 2017 die Kopien des damaligen Briefes vom 29.12.1944 der höchsten militärischen Stelle, den Vereinigten Generalstäben der USA, an den Oberkommandierenden in Europa, General Dwight D. Eisenhower, über Stalins Forderungen).


Kommentare von Lesern zum Artikel

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44%
(9 Stimmen)
Gotthard Frick sagte June 2017

VIMENTIS, 5.06.2017 Antwort auf Kommentar zu meinem Artikel

Sehr geehrter Herr Beck,

1. Die Schweiz war in einem wirtschaftlichen Überlebenskampf und ab Juli 1940 bis gegen Ende 1944 völlig von Deutschland abhängig.

2. Auch in meinem Buch "Hitlers Krieg und die Selbstbehauptung der Schweiz 1933-1945" habe ich darauf hingewiesen, dass die Schweiz beim Goldhandel zu wenig vorsichtig war. Wobei man Anfang 1943 noch gar nichts über den Holocaust wusste und auch die Alliierten (z.B. Roosevelt, Churchill), als die ersten Berichte darüber eintrafen, nicht glaubten, dass ein "Kulturvolk" überhaupt derartige Verbrechen begehen könnte und die Meldungen nicht ernst nahmen.
3. Bis zum Fall Frankreichs hat die Schweiz Grossbritannien unendlich viel mehr Rüstungsgüter, Werkzeugmaschinen etc. geliefert als an Deutschland (z.B. im Spätsommer/Herbst 1939 1500 Flabkanonen für die britische Flotte, drei mal mehr, als die ganze Schweizer Armee hatte). Nachher war es umgekehrt.
4. Beide Kriegsparteien führten eine Kontrolle des Aussenhandels der Neutralen ein. Die Schweiz musste für ihre Ausfuhren und Einfuhren bei Grossbritannien "Navicerts", bei Deutschland "Geleitscheine" anfordern. Nur Güter, die von beiden Seiten solche Bewilligung erhielten, konnten ein- oder ausgeführt werden. Es ist hier nicht der Platz diese ganze Geschichte im Detail zu erwähnen, aber durch Entgegenkommen gegenüber Deutschland gewährte dieses der Schweiz die Bewilligung, zur Ausfuhr gewisser von Grossbritannien dringend benötigter Güter (und umgekehrt), darunter auch Ersatzteile für früher gelieferte Waffen, die ironischerweise mit Eisen produziert wurde, das von Deutschland geliefert wurde, was Deutschland wusste. Das zeigt, im Krieg - noch mehr als im Frieden – werden Staaten nur von ihren Interessen geleitet. Unser Volk hat das vergessen. Mit anderen Worten, die Schweiz konnte ohne GLEICHZEITIGE Bewilligungen der beiden Kriegsparteien gar keinen Aussenhandel treiben. Nachdem Frankreich kapituliert hatte, war die Schweiz völlig von Deutschland abhängig, besonders von seinen Kohlelieferungen. Kohle spielte damals die gleiche Rolle, wie heute Öl.
5. Was Sie nicht erwähnen, dabei war das für die Schweiz und die anderen am Krieg nicht beteiligten europäischen Staaten (z.B. Schweden) eine wahre Katastrophe: Die Schweiz hatte einen grossen Teil ihrer Goldbestände und Devisenreserven in den USA liegen. Am 21. Juni 1941 blockierten die USA alle diese Guthaben. Die Schweiz konnte für ihren überlebens-wichtigen Aussenhandel über diese grossen Bestände nicht mehr verfügen und geriet dadurch noch mehr in die Abhängigkeit von Deutschland.
6. Am 22. September 1940 schrieb der britische Aussenminister Eden dem britschen Botschafter in Bern: "Aus politischen Gründen messen wir der möglichst langen Aufrechterhaltung des Schweizer Widerstandes gegen die Achse grosse Bedeutung zu.... dass die offensichtliche Bereitschaft der Schweizer Militärkreise zum Widerstand nicht durch irgend eine Massnahme unsererseits geschwächt wird.... Falls die Schweiz (Deutschland gegenüber, der Verf.) Entgegenkommen zeige, bestehe für wenigstens einige Zeit die Möglichkeit verhindern zu können, dass sie die Lieferungen von Kriegsmaterial ins Vereinigte Königreich völlig einstellen müsse." Damit bezog sich der britische Aussenminister darauf, dass die Schweiz für diese Lieferungen deutsche Bewilligungen erhalten musste. Diese Abhängigkeit nützte Deutschland dann eben so aus, dass die Schweiz noch mehr Konzessionen machen musste, auch bei Krediten und dem Goldhandel.

Church​ill hatte grosses Verständnis für die Schweiz, obschon Grossbritannien in seiner Wirtschaftspolitik unserem Land gegenüber sehr hart war. Es fürchtete, bei einer deutschen Besetzung der Schweiz würden unsere Vorräte in die Hände der Deutschen fallen. Churchill meinte dazu: Man dürfe die Schweiz wirtschaftlich nicht so stark abschnüren, dass sie von einem "unwilligen" Handelspartner Deutschlands zur Sicherung ihres Überlebens zu einem "willigen" werden.
7. Meinungen, besonders bei sehr wichtigen Fragen, sollten auf einer umfassenden Kenntnis aller Fakten beruhen. Aber das liegt uns Menschen offensichtlich nicht. Es ist so leicht, irgend eine Meinung zu äussern, ohne das Gesamtbild und die harte Realität zu kennen. Das ist ja auch heute bei politischen Meinungen üblich.

Es gäbe zum Thema noch sehr viel zu sagen.

Mit freundlichen Grüssen Gotthard Frick



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38%
(13 Stimmen)
Hans Knall sagte April 2017

Herr Eberhart äussert hier einmal mehr die hauptsächlichen Stereotypen eines inzwischen Mainstream gewordenen trotzkistisch-ignoran​ten Kindergartendenkens. Es zeugt von offensichtlichem Mangelwissen über die Situation der Schweiz im zweiten Weltkrieg und soll nicht unwidersprochen bleiben

So „hätte man sich“ im Ernstfall keinesfalls „ins Reduit zurückgezogen und das Mittelland dem Feind überlassen“, wie das Standardsätzchen der Schweizhasser jeweils aufsagt.

Im Gegenteil: Die Schweiz wäre, nein sie ist, von einer bis zu 600‘000 Mann starken Armee an allen Grenzen militärisch verteidigt worden. Von einer Armee, die über effiziente, jahrelang eingeübte und mit modernsten Waffen ausgerüstete Truppen verfügt hat. Von einer Armee, die aus hochmotivierten Verteidigern der Freiheit des eigenen Landes und Lebensraumes zusammengesetzt war und von der gesamten Zivilbevölkerung in sämtlichen Belangen voll unterstützt wurde.

Die Rolle des „Reduit“ als uneinnehmbare Alpenfestung bestand vor allem darin, jeglichen potenziellen Angreifern vor Augen zu führen, dass „die Schweiz“ niemals vollständig erobert werden kann und dass keine Besatzungsmacht einem von dort ausgehenden Partisanenkrieg über längere Zeit standhalten könnte.

Die kindische Schlussfolgerung, die Schweiz hätte wegen ihrer Kleinheit gegen den Angriff einer Grossmacht keine Chance, zeugt von abgrundtiefem Unverständnis gegenüber den tatsächlich möglichen Kräfteverhältnissen, die für einen solchen „Ernstfall“ denkbar wären.

Auch Hitler-Deutschland oder die Rote Armee hätten ja nur kleine Teile ihrer Truppen für einen Angriff auf die Schweiz zur Verfügung gehabt. Man bedenke, dass ganze Armeen dafür gar nicht in Frage gekommen wären, weil sie an anderen Fronten in ganz Europa (und auch auf der ganzen Welt) gebunden, als Besatzungstruppen in eroberten Ländern für andere Aufgaben nicht verfügbar oder ganz einfach von der Ausbildung her und waffentechnisch gesehen gar nicht zählbar waren. Die ganze Marine zum Beispiel.

Geht man davon aus, dass ein Angreifer gegenüber einer vorbereiteten, von der Bevölkerung getragenen, motivierten und technisch hochgerüsteten Verteidigungsarmee eine mindestens dreifache Überlegenheit braucht, um erfolgreich zu sein, kann sich jeder eine Vorstellung davon machen, was dies für jede „Grossmacht“ bedeuten würde.

Und: Was hätte eine Grossmacht davon, die Schweiz zu erobern? Ein völlig zerstörtes, (sämtliche Infrastrukturen wären durch die Schweizer Armee auf einem erzwungenen Rückzug zerstört worden, bevor sie dem Feind in die Hände gefallen wären) Land ohne Bodenschätze? Ein Land das gegen feindlich gesinnte Bewohner besetzt werden muss und wo eine extrem starke Partisanenarmee einen permanenten Befreiungskampf führt?
Nicht einmal das für potentielle Schweiz-Angreifer wichtigste Ansinnen, nämlich eine Nord-Süd-Verkehrsader​ durch die Alpen nutzen zu können, wäre wegen dem Reduit-Block realisierbar.
Hinzu kommt aus der Sicht der kriegführenden Mächte, dass die Schweiz wegen ihrer glaubwürdigen Neutralität keine militärische Gefahr darstellt, solange sie nicht selber angegriffen wird.

Die Tatsache, dass die Schweiz vor den schlimmsten Folgen zweier grauenhafter Weltkriege weitgehend verschont blieb ist also einer überragenden Gesamtverteidigungsle​istung der Schweizer jener Generationen zu verdanken.
Allem voran stand immer der gemeinsame Wille, die Schweiz als souveräne, von ihren Bürgern bestimmte Nation als Lebensraum für zukünftige, freie Generationen mit allen Mitteln zu verteidigen.

Diese​r gemeinsame Wille, ist im Grunde genommen das Einzige was uns Schweizer verbindet und uns als Schweizer definiert. Es ist keine Ethnie, keine Sprache, keine Religion und keine Obrigkeit die uns einigt, es ist nur der Wille, die Schweiz als freies Land für freie Bürger zu erhalten. Aber das durch alle Böden hindurch.

Gottfrie​d Keller sagt es so:
„Der Nationalcharakter der Schweizer besteht nicht in den ältesten Ahnen, noch in der Lage des Landes, noch sonst in irgendetwas Materiellem, sondern er besteht in ihrer Liebe zur Freiheit, zur Unabhängigkeit, er besteht in ihrer ausserordentlichen Anhänglichkeit an das kleine, aber schöne und teure Vaterland, er besteht in ihrem Heimweh, das sie in fremden, wenn auch den schönsten Ländern, befällt.“

Daran sollten wir heute vermehrt arbeiten…


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50%
(12 Stimmen)
jan eberhart sagte April 2017

Immer die starke bewaffnete Neutralität.

Im Ernstfall hätte man sich auf das Reduit zurückgezogen und das Mittelland dem Feind überlassen. Ob und wie die Schweiz Hitler-Deutschland oder Stalin hätte standhalten können, ist eine schwierige Frage.

Ein Kleinstaat kann es niemals militärtechnisch mit einer Grossmacht wie der Sowejtunion oder Hitler-Deutschland aufnehmen.

So wie ich Hitler-Deutschland gegen die Massenproduktion der Amerikaner nicht ankam und dies niemals hat kompensieren können.

Letztlich hatte Hiltler-Deutschland andere Prioritäten und Festungen der Deutschen haben sich als Lug und Betrug erwiesen und nicht als unbezwingbar.


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43%
(14 Stimmen)
Karlos Gutier sagte March 2017

Es hilft eben doch, wenn der Verteidigungswillen und das Heer stark ist.

Heute würde keine Armee ein Umweg ausserhalb unseres Landes machen, sie würden direkt durch unser Land gehen, weil alle wissen das wir heute schwach sind.


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