Abstimmungen, Initiativen > National > Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren (Abschaffung der Billag-Gebühren),

Wissen die "NO-Billag"-Befürwort​er überhaupt worum es geht?

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Wenn man nur bis an die ei­gene Na­sen­spitze denkt, dann wis­sen die Bil­lag-­Geg­ner sehr wohl worum es geht: Es geht nicht um die SRG und schon gar nicht um Viel­falt, wel­che die hie­sige Me­dien­land­schaft erst er­mög­licht. Auch nicht um die Mög­lich­kei­ten, die di­rekt und in­di­rekt von der Leis­tung der Schwei­zer Me­dien ab­hän­gen. Es geht ihnen "nur um die Gebühren".

Und genau darum wird dann auch herumgeschwurbelt mit Konstrukten wie "...man könne ja ein Abo für die Tagesschau lösen...", "...es braucht keine Leistungen die der freie Markt nicht nachfragt..." und ähnlich komischen Begründungen.

Aber eben: Wenn man nur bis an die eigene Nasenspitze denkt, dann tönt das wunderbar - bei ein bisschen Weitsicht merkt man aber sehr schnell, dass eben bei einer Annahme dieser Vorlage nicht einfach nur das "Gebührenfinanzierte Fernsehen" abgeschafft würde, sondern dass hinter dieser "Zwangsgebühr" wesentlich mehr steckt als man sich das vorstellen kann.

 

Die Welt ist geprägt von Abhängigkeiten und Wechselwirkungen. Ein Eingriff an einer Stelle hat auch Auswirkungen auf andere Stellen, ein Entfernen eines Elementes bewirkt ein verschieben von Gleichgewichten oder gar einem Zusammenbruch ganzer Systeme. Sicher gibt es Elemente, die einen kleineren Einfluss auf das gesamte System haben - aber es gibt auch Elemente, welche weitreichende Konsequenzen haben.

So ist zum Beispiel die Sanierung eines Strassenkreisels eine scheinbar einfache, isolierte Fragestellung. Im Endeffekt aber ganz und gar nicht. Denn wenn diese Sanierung schlecht geplant wird, hat das massive Auswirkungen auf den Strassenverkehr in der ganzen Region indem während Wochen genau um diesen Kreisel die Staus zu den Stosszeiten extrem zunehmen. Dies wiederum führt dazu, dass immer mehr Autofahrer einen Weg suchen, diesem Stau auszuweichen und beginnen, durch Quartierstrassen zu fahren, weil sie immer noch schneller sind wenn sie mit Tempo 30 über Schleichwege fahren als wenn sie lange im Stau stehen. Dies wiederum führt dazu, dass die Situation in genau jenen Quartieren schlechter wird: Kinder dürfen nicht mehr auf der Strasse spielen, die Lärm- und Abgasbelastung steigt, der "Wohlfühl-Faktor" und damit die Zufriedenheit der Anwohner solcher Strassen sinkt. Je nach Lage dieses Kreisels hat eine schlechte Planung einer solchen Strassensanierung ganz direkte Auswirkungen auf andere Ortschaften in der Nachbarschaft, ohne dass diese die Situation aktiv beeinflussen können - sind aber die Leidtragenden des Problems.

Mit der No-Billag-Initiative ist es ganz ähnlich. Denn bei einer Annahme dieser Ego-Initiative würde schlicht und einfach die gesamte Schweizer Medienlandschaft zerstört.

ALLE Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaften​ müssten massiv kürzertreten, nicht nur die SRG - einige wenige Sender in den Regionen Zürich, Basel, Bern und Lausanne/Genf würden möglicherweise einen (jetzt schon rudimentären) reduzierten Sendebetrieb weiterführen, alle anderen Regionen werden wohl oder übel auf irgendeinen ausländischen Sender wechseln müssen (sofern überhaupt etwas vorhanden ist) - oder einen dieser Zentrums-Sender wählen müssen, der zwar nichts über die eigene Region bringt, aber wenigstens ein Minimum an Informationen in die Stube bringt.

 

Der Werbetopf für Radio- und Fernsehwerbung ist weltweit am schrumpfen - und in der Schweiz war er sowieso noch nie sehr gross. Auf der ganzen Welt gibt es nicht einen Sender, der es schafft, "Qualitativ hochwertige News" im Abo zu verkaufen. Also ist es absolut blauäugig zu behaupten, dass sich eine mediale Versorgung, wie wir sie jetzt in der Schweiz kennen durch einen "freien Markt" in irgend einer Form finanzieren liesse!

Diejenigen Sender, welche einen Weiterbetrieb ohne Billag-Gelder versuchen, werden massiv abhängig von irgendwelchen Sponsoren werden, da der ohnehin schon kleine Werbetopf nochmals kleiner wird dadurch dass die SRG ja auch darüber finanziert würde. Und wer nun denkt, dass solche Sponsoren keine Gegenleistungen bezüglich Inhalten fordern würden - der kann erst recht nicht über die eigene Nasenspitze hinausdenken.

 

Als Folge dieser zerstörten Medienlandschaft wird auch die gesamte Schweizer Kultur-Landschaft zusammenbrechen. Musik, Film, aber auch Sport und Kultur werden massiv Probleme bekommen, ihre Anlässe zu finanzieren wenn keine Verbreitung der eigenen Leistungen mehr erfolgt - denn die Wenigsten, die sich über "die neue Freiheit über den eigenen Medienkonsum" freuen werden solche Abos lösen sondern lieber zu Inhalten greifen, die von den ausländischen Steuer- und Gebührenzahler bezahlt werden oder "sowieso gratis" sind. Solche Sender werden aber Schweizer Musiker, Sportler und Künstler nur dann zeigen, wenn sie absolute Spitzenklasse sind. Da hin werden aber in Zukunft keine mehr kommen, da für die gesamte Nachwuchsförderung in diesen Sparten schlicht und einfach kein Geld mehr vorhanden sein wird - denn auch Sponsoren solcher Förderprogramme erwarten ja im Gegenzug Publizität in irgendeiner Form. Und wenn die nicht mehr geboten werden kann, dann fällt das alles flach.

 

Roger Federer und Wendy Holdener werden auf lange Zeit hinaus die letzten Schweizer Sportler sein, welche es schaffen werden, unser Land in die Welt hinaus zu tragen, Musiker wie Gölä, Seven, James Gruntz und Beatrice Egli würden es nicht mal mehr in der ganzen Schweiz schaffen, geschweige denn darüber hinaus. Filme wie "Schälle-Ursli" und "Heidi" aber auch Schauspieler wie Bruno Ganz würden in Zukunft keine Nachfolger mehr haben.

 

Schweizer Kultur wird dann noch auf "Blocher-TV" und in "20 Minuten" gelebt.

Nun ja - vielleicht auch noch im "Hirschen" beim Jassen - währenddem im Hintergrund ein deutsches oder österreichisches Radio- oder TV-Programm läuft....

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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83%
(6 Stimmen)
J. Wolf sagte February 2018

Die Initianten der "No Billag"-Initiative vertreten ja dauernd die Meinung, dass sich qualitativ gutes Fernsehen auch rein kommerziell finanzieren liesse.

Machen Sie doch einmal selber den Versuch und konsumieren rein kommerzielles Radio und Fernsehen.

Bitte bedenken Sie, dass damit auch jedes Privatradio der Schweiz aus der Wahl fällt, da viele direkt davon profitieren - und alle anderen kommerziellen Radios das jetzige Programm nur dadurch finanzieren können, weil sich die SRG wegen der Billag-Gebühren aus dem Werbemarkt heraushält. Somit profitieren auch diese Radios indirekt davon.

Ein Ausweichen auf die Sender der Nachbarländer wäre einfach - aber bedenken Sie hierzu, dass auch die alle in irgendeiner Form von der Allgemeinheit über Gebühren oder Steuern finanziert werden. Sender wie SWF oder die Ö-Sender fallen somit auch weg.

Was übrig bleibt, sind die Sender der RTL Gruppe.

Ich wünsche Ihnen viel Spass dabei.

Hier ist die unglaublich tolle Liste der Fernseh-Sendungen die Sie sich dann zu Gemüte führen dürfen:
https://de.wikipedi​​a.org/wiki/Liste_von​_​RTL-Sendungen



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50%
(10 Stimmen)
jan eberhart sagte February 2018

Zur SDA kann man nur sagen - selber schuld.

Die SDA gehört Schweizern Verlegern (Tamedia, Ringier,....). Wem gehören die grössten Gratiszeitungen? Tamedia und Riniger.

Leuthard hat recht. Wer bewusst auflagenstarke Gratiszeitungen verlegt, muss sich nicht wundern, wenn viele nicht mehr einsehen, für den Medienkonsum bezahlen zu sollen. Eine Gratiszeitung bietet einen guten Überblick und die wichtigsten Agenturmeldungen. Wozu also eine bezahlte Tageszeitung?

Dazu​ kommt die Gratis-Kultur aus Silicon Valley. Man bezahlt mit seinen Daten, nicht mit Geld. Je länger man auf facebook ist, desto länger kann man Werbung schalten und Geld verdienen. Deshalb soll der User möglichst lange auf facebook bleiben.

Wer die NZZ liest, wird sehen, dass weniger Nachrichten verbreitet werden, sondern eher Kommentare und wie dies einzuordnen ist. Niemand kauft mehr eine Zeitung, nur weil Agenturmeldungen kopiert werden.

Als Medienkonzern muss man etwas bieten, wofür man bereit ist, zu bezahlen. Es gibt mehr als genug Quellen, die nichts kosten.



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44%
(9 Stimmen)
Dany Schweizer sagte February 2018

Herr Wolf

Sie liegen falsch - Es geht nicht prinzipiell um die Gebühren. Es geht darum, dass die SRG/SRF nicht ungehindert weiter wursteln und immer noch unsinniger Sendungen ausstrahlen.

Die Schweiz in ihrem Land hat bis Heute über 60 Sender. Es artet zum Gigantismus aus. Für was benötigt eine kleine Schweiz 66 Sender?

Es genügt, wenn die Schweiz je Region 4-5 Landessprachen 1 Sender betreibt. Dieser kann auch über Gebühren finanziert werden und nicht explizit über Werbung, welche in Dokumentationen und Nachrichten nur störend ist.

Falsch bei der "No-Billag" ist, dass eine reine Abschaffung gefordert wird, und nicht eine Reduzierung auf logische und vernünftige Basis.

Fakt ist aber auch, dass wir mit der "No-Billag" den Betreibern immer noch mehr in die Hände spielen "PayTV" einzuführen.

Vernü​nftig wäre:
Reduktion der heutigen Sender auf 1 Sender je Landessprache, diese finanziert über Gebühren, welche z.B. in der Höhe von Fr. 250.--/Jahr belaufen könnten.

Sie sehen, es ist nicht die Gebühr, welche zur "No-Billag" treibt, sondern die Initianten nutzen den Umstand, dass es Menschen gibt die durch die heute zu hohen Gebühren (dank Senderwahnsinn), tatsächlich Ja stimmen, statt nein und dann die SRG in die Schranken weisst mit einer sinnvollen Initiative, welche wirklich Nutzen bringt in unserer heutigen Welt


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55%
(11 Stimmen)
Werner Nabulon sagte January 2018

Ich stell mal eine Hypothese auf.
In meiner Jugend wartete man auf den dritten Ton, am Mittag, dann war es genau 12:30H. Schweizer Radio Beromünster sendete dann die Mittagsnachrichten. Danach folgten Wetteraussichten, (die recht gut stimmten). Man konnte die Uhr nach dem Radio richten. Gut damals fuhr auch die SBB noch pünktlich, die Post wurde noch gebracht, und wir Jungen lieferten Tageszeitungen aus.
Am Abend sass man vor dem Schwarz Weiss TV, die Tagesschau kam ebenso Pünktlich, auch im Radio gab es die Abend Nachrichten, dann etwas Unterhaltung. Ach wie langweilig was es damals. Samstagabend die Strassenfeger Programme, Teleboy, Wetten das usw, sei es auf dem Schweizer Sender, oder ein Deutscher Sender. Sonntag diese Kitsch Serien, Bonanza, Flipper, und Co, bei welchem Jugendverantwortliche​ schon bedenken hatten, es könnte zu brutal sein. Sportgrossanlässe, Skirennen, Olympiade, wichtige Fussball Spiele wurden speziell übertragen. Sog Eurovision Sendungen. Um Mitternacht war Schluss, ausser wenn in einer anderen Zeitzone etwas Wichtiges stattfand. Olympiade oder Boxkampf des Jahrhunderts oder so.
Ja wir Jugend fanden das echt langweilig, dazu immer diese Huddigägeler Musik, oder die umgestalteten Musik Arrangements eins Radioorchesters. In Farbe wurde es nicht sonderlich besser, die Farbe schon, das Programm nicht. Auch auf UKW und in Stereo wurde der Ton zwar besser, die Musik nicht.
Es gab auch Diskussionsrunden, so politisches Zeug, oder Hintergrund Informationen über spezielle Ereignisse. Das wäre so ungefähr der Service Public den es zu erbringen gilt. Ach wie langweilig.
Was man zu hören und sehen bekam, (heute weiss man es besser) war das was die Regierenden befanden, sei verantwortbar, gesendet zu werden. Eine gewisse Zensur also. Das fanden wir Jungen oder auch anders politisch denkende nicht wirklich gut.
Musik für die Jugend war damals ein Thema, oder auch andere Informationen (nicht vom Staat zensiert) waren das was wir wollten und unterstützt haben. In der neusten Geschichte kann wer will, oder es erlebt hat, nachlesen, was dann geschah.
Schweizer Fernsehen und Radio zusammen mit der Regierung haben sich mit allen legalen bis illegalen Mitteln dagegen gesträubt, dass Bewegung in die Medienlandschaft kam. Bewegung in der Medienlandschaft heisst, Machtverlust, es wird nicht mehr so einfach, den Einheitsbrei an Meldungen zu senden.
In der Zwischenzeit haben sich Staatliche, Private plus Printmedien und Internet zusammengefunden, werden durch teure Gebühren finanziert, und verbreiten wieder Einheitsbrei.
Dazu werden Filme gesendet, da waren Bonanza, Zorro, Flipper und Co harmlose Kindersendungen. Was dann um Mitternacht noch in die Kabel eingespeist wird, löst ja Diskussionen aus, ob wir die Jugend so kriminalisieren. Wir führen Gespräche über Soziale Vereinsamung, da man heute 24Stunden non Stop vor der Glotze hocken kann, und eben überall das empfangen kann.
Ich soll also dafür bezahlen, dass ich all das im Namen des Föderalismus anschauen soll? Sonst geht die Schweiz kaputt? Ich denk mir, wenn wir so weitermachen, geht sie kaputt.



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50%
(16 Stimmen)
Hans Knall sagte January 2018

Nur nicht verzagen, Herr Wolf.

Neben Blocher-TV und 20 Minuten wird es sicher auch einen ultralinken Gewerkschaftssender geben, der aus Mitgliederbeiträgen und den Kontrollprämien für die Einhaltung der „flankierenden Massnahmen“ finanziert wird und wo uns die Pardinis, Wermuths, Rechsteiners, Kiener-Nellens, Leuteneggers oder Funiciellos weiterhin die ganze Wahrheit über die Welt und gleich noch die echte Schweizer Kultur darlegen werden. Und den Vorwärts gibt’s dann auch noch gratis dazu…

Das einzige was ändern wird ist der grosse Fortschritt, dass man sich deren Geleier nicht mehr zwangsmässig zuführen und bezahlen muss!


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