Volkswirtschaftslehre,

Wie Gewerkschaften und Demonstranten die Sozialpartnerschaft

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Alle Jahre wie­der hören wir die so­zia­lis­ti­schen Lie­der. Text­stel­len wie «Heer der Skla­ven, wache auf!» oder «Auf zum letz­ten Gefecht!» ver­bild­li­chen die wie­der­keh­rende Bot­schaft der 1. Mai De­mons­tran­ten.

Es geht darum, einen Keil zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu treiben. Obwohl viele Politiker stets darum bemüht sind, die Kampfparolen der Gewerkschaften in die politische Arbeit einzubinden und damit durchaus Erfolg haben, wendet sich die erwerbstätige Bevölkerung von den Gewerkschaften ab. Zählten sie im Jahr 1990 noch 443’885 Mitglieder, schrumpfte der Mitgliederbestand bis 2010 um 16 Prozent auf 372’082 Mitglieder. Das Ausmass des Mitgliederschwundes verdeutlicht sich, wenn man die Zahlen mit der Entwicklung der Erwerbstätigen in der Schweiz vergleicht. Haben die Gewerkschaften im Jahr 1990 12 Prozent der Erwerbstätigen vertreten, sind es heute nur noch acht Prozent der arbeitenden Bevölkerung.

Zerstör​ung gesellschaftlicher Werte

Umso mehr erstaunt, dass die Gewerkschaften noch mehr Zwangs-Umverteilung zulasten der (jungen) arbeitenden Bevölkerung fordern – beispielsweise mit der Initiative «AHVplus». Bereits heute subventioniert der Bund die AHV mit zehn Milliarden Franken, was 25 Prozent ihrer Einnahmen entspricht. Die Forderung nach einer Ausweitung der AHV-Umverteilungsmasc​hinerie reiht sich ein in die Zwängereien wie etwa der geforderte, national festgelegte Mindestlohn oder die «flankierenden Massnahmen». Die Inhalte bleiben die alten, nur werden sie alle Jahre neu verpackt. Die Gewerkschaften legen keinen Wert auf langfristige Lösungen. Sie folgen ihren verstaubten Manifesten, ohne je einen Blick auf die wirklichen, aktuellen Probleme zu werfen.

Dieser Kampf zerstört gesellschaftliche Werte wie Offenheit und Vertrauen, welche die Basis für Vertragsverhandlungen​ sind. Diese werden mit kämpferischen Ansagen seitens der Gewerkschaften durch Misstrauen ersetzt. Denn Arbeitgeber sind nach gewerkschaftlicher Auffassung grundsätzlich böse. Wer etwas erreicht hat im Leben, ist ein Abzocker. Mit der zur Abstimmung kommenden Erbschaftssteueriniti​ative soll sogar die Selbstbestimmung beim «letzten Willen» massiv eingeschränkt werden. Eigentumsrechte, welche eine wesentliche Basis für den Erfolg des Schweizer Modells sind, werden mit Füssen getreten.

Schädliche​r Arbeitnehmerschutz

A​rbeitnehmer sollen zudem durch Vater Staat vollumfänglich «geschützt» werden. Zu welchen Konsequenzen am Arbeitsmarkt ein solch umfassender staatlicher «Schutz» führt, kann in Nachbarländern wie Frankreich oder Deutschland verfolgt werden. Praktikumsstellen erfahren aufgrund starr ausgestalteter Anstellungsbedingunge​n und hohem Kündigungsschutz immer grösserer Beliebtheit. Die Leidtragenden sind die Arbeitnehmer, für welche Praktikumsstellen eine grosse Unsicherheit bedeuten. So schaffen zusätzliche Gesetze wieder neue Probleme wie die «Working-Poors». Diese negativen Folgen sollen dann wiederum durch neue Regulierungen bekämpft werden. Die Teufelsspirale beginnt zu drehen. Fehlende Flexibilität und das staatliche Zwangsvorschriften-Ko​rsett sind kontraproduktiv – sowohl für Arbeitnehmer wie auch für Arbeitgeber.

Es steht ausser Frage: Missstände in der Arbeitswelt gehören nach Aussen getragen. Werden Arbeitnehmer entgegen der vertraglichen Abmachungen oder den geltenden Gesetzen ausgenutzt, ist es unter anderem auch Aufgabe der Medien und der Gesellschaft, solche Vergehen zu thematisieren. Die heutige konfliktorientierte und einzig der Selbstinszenierung dienende Art der Gewerkschaften schiesst jedoch in jeglicher Hinsicht über das beabsichtigte Ziel hinaus.

Macht den Konsumenten statt der Politik

Unter gesellschaftlichem Druck werden Unternehmen geächtet, die sich nicht ordnungsgemäss verhalten. Sie und ich haben in unserer Rolle als Konsumenten die Macht, ein sich unmenschlich und gesetzeswidrig agierendes Unternehmen zu boykottieren. In der Marktwirtschaft entscheiden Konsumenten tagtäglich bewusst: Wo kaufe ich ein? Was kaufe ich ein? Vertraue ich dem Unternehmen? Um langfristig zu überleben, kann sich ein Unternehmen kein schlechtes Image leisten.

Die von Linken und Gewerkschaften geforderten Gesetze diskriminieren Arbeitnehmer, die von einer flexiblen Gesetzgebung profitieren. Anstelle föderalistischer werden meist nationale, also zentralistische «Lösungen» angestrebt. Regionale Gegebenheiten – die Lebenskosten in Zürich etwa sind weit höher als im Jura – werden missachtet.

Man will verhindern, dass die Kantone untereinander im Wettbewerb stehen. Es könnte sich ja herausstellen, dass sozialistische Lösungen einzelner Kantone erfolglos sind. Gefordert wird Zentralismus statt Individualismus. Dabei ist der institutionelle Wettbewerb zwischen verschiedenen Kantonen und Gemeinden ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Schweiz. Schlechte Lösungen treffen nicht die gesamte Bevölkerung und gute Lösungen setzen sich langfristig fast überall durch.

Gesetzesflut erhöht Steuerlast

Was noch erschwerend dazu kommt: Die Forderungen der Linken kommen den Steuerzahler teuer zu stehen, da er die staatliche Kontrolle finanzieren muss, welche die immer neuen Gesetze auf ihre Einhaltung überprüfen müssen. Die von Bundesrätin Sommaruga geplante Lohnpolizei ist ein Beispiel unter vielen. Gemäss einer Studie der KPMG (Wirtschaftsprüfungs-​ und Unternehmensberatungs​-Firma), kosten uns regulatorische Massnahmen jährlich rund fünfzig Milliarden Steuerfranken. Diese Überwachung muss ständig ausgebaut werden. Das damit verschwendete Geld fehlt dann den Unternehmen, die damit Investitionen in zukunftsträchtige Innovationen tätigen könnten.

Oft wird vergessen, dass jeder ausgegebene Steuerfranken zuerst von der Privatwirtschaft erwirtschaftet werden muss. Viele Schweizer Unternehmen müssen sich im internationalen Wettbewerb behaupten. Vor allem Länder im asiatischen Raum befinden sich auf der Überholspur. Die Schweiz belegt in diversen Rankings gegenwärtig zwar immer noch Spitzenplätze, doch müssen wir heute die Grundlage schaffen, um auch in zwanzig Jahren in der Champions League mitspielen zu können.

Wohlstand und Fortschritt beruhen auf Leistung. Ein grosser Einsatz soll belohnt werden, weshalb flexible Arbeitszeiten längstens fällig sind. In freiwillig getroffenen Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber kann auf beidseitige Bedürfnisse eingegangen werden, um das bestmögliche Ergebnis für alle Parteien zu erreichen.

Linkspopu​listische Demagogen

Ein Unternehmer hat ein unmittelbares Interesse daran, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeitenden steigen, was die Erfolgschancen eines Unternehmens erhöht. Freie Länder haben nachweislich eine höhere Beschäftigungsquote und sind wohlhabender, was auch ein ausgeprägter Umweltschutz mittels neuer Technologien ermöglicht. Der Weg zurück in eine freie Gesellschaft führt zwingend über einen radikalen Bürokratie-Abbau für Private. Dies wird von Links ignoriert.

Aus all diesen Gründen muss den Sozialisten die Deutungshoheit des 1. Mai streitig gemacht werden. Prosperierende Gesellschaften entstehen unter freiheitlichen Rahmenbedingungen und brauchen keinen staatlichen Arbeitsschutzzwang. Deshalb ist es wichtig, die Stimme für mehr Freiheit im Arbeitsmarkt zu erheben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Marktwirtschaft dem Sozialismus haushoch überlegen ist. Mögen die Liberalen vor allem auch am 1. Mai ihre Stimme erheben. Auf dass die Arbeitnehmer am Tag der Arbeit nicht den Linkspopulisten und ihren falschen Versprechen auf den Leim gehen.

Andri Silberschmidt

(Ersch​ienen in der “Schweizerzeit” vom 24. April 2015)

Mitgliederzahl​en SGB: http://www.sgb.ch/upl​oads/media/81_EA_d_Mi​tgliederentwicklung_2​010.pdf

 

http://an​drisilberschmidt.ch/n​ew/wie-gewerkschaften​-und-demonstranten-di​e-sozialpartnerschaft​-zerstoeren/


Kommentare von Lesern zum Artikel

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29%
(7 Stimmen)
Elsi D. Stutz sagte May 2015

Herr Silberschmidt, einerseits finde ich es schön, dass Sie als junger Politiker noch an das Gute im Menschen glauben, anderseits weiß ich aber, dass nicht alle Unternehmer Sklaventreiber sind, aber sich in dieser Gesellschaft nicht mehr genug Sozialkompetenz befindet, als das ich noch dran glauben könnte, dass Ihre Rechnung nochmals aufgeht, die Zeiten sind vorbei! Interessiert es den Konsumenten, wieso sein T-Shirt so billig ist und wer den Preis dafür bezahlt? Ein Börsendotierter Onlineversand, der wegen der katastrophalen Arbeitsbedingungen bereits in den Schlagzeilen war, straft Sie ja schon längst Lügen! Und auch das, ist nur die Spitze eines Eisbergs! Für den durchschnittlichen Schweizer Arbeitnehmer sind die Bedingungen in den letzten 20. Jahren nicht besser geworden, sie geraten unter immer höheren Leistungsdruck und die Lebensqualität nimmt ab! Das sehen Sie nicht in einer Statistik, dass erleben Sie nur. Aber sie können es hören und ev. Auch sehen. Aber dafür ist die Wirtschaft so wenig bereit, wie die Linken mit ihren maßlosen Forderungen nach Umverteilung. Aber Obenrum, wird eben auch schamlos abgesahnt. Und das kann man einfach nicht mehr schönreden!


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50%
(8 Stimmen)
Urs Scheiwiller sagte May 2015

"Der Gewerkschaft geht es darum einen Keil zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu treiben."
Ich weiss nicht, was Sie von Demokratie halten Herr Silberschmidt aber Gewerkschaftsrechte und Unternehmensrechte auszuüben sind Grundrechte einer Demokratie. Lesen Sie mal nach in den alten Dokumenten der staatstragenden liberalen FDP und machen Sie sich einmal Gedanken zum Wort liberal. Sie verwechseln es mit Neoliberalismus und der hat in den letzten Jahren seine dreckige Fratze zur Genüge gezeigt.
Das was Ihnen vorschwebt, dass nur Unternehmer vorschreiben, wie die Zukunft zu funktionieren hat, ist falsch und führt in eine Diktatur, in der auch die KMU's nichts mehr zu lachen haben.
Ich bin selbst Unternehmer und habe Angst vor Leuten wie Ihnen, die leichtfertig den sozialen Frieden gefährden. Wie schamlos die Arbeitnehmer von schlechten oder nicht weitsichtigen Unternehmern derzeit unterdrückt werden, spricht Bände. Ich schäme mich für diese Unternehmer-Kollegen,​ die nicht fähig waren auch nur ein klein bisschen in die Zukunft zu denken und deren Handeln derzeit zum Nachteil der Arbeitnehmer bestimmt ist.
Jeder gesunde Mensch weiss, dass das Kapital nicht gleichmässig an alle verteilt werden soll. Leistung und Risiko soll sich lohnen, aber jeder weiss auch gleichzeitig, dass die derzeitige Bereicherung der reichsten 2% in der Schweiz für unser Land auch ökonomisch gesehen eine Katastrophe werden wird.


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