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economie suisse belügt die Parlamentarier

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Die Voll­geld-I­ni­tia­ti​ve geht den Ban­ken ans Kern­ge­schäft, die Geld­schöp­fung aus dem Nichts. Die Pra­xis ohne Rechts­grund­lage aber mit einem di­cken Man­tel des Schwei­gens wird denn auch mit dreis­ten Lü­gen ver­tei­digt. In einer Ein­la­dung zu einem Par­la­men­ta­rier­tr​ef­fen mit Abendes­sen im no­blen Hotel Bel­le­vue Pa­lace mit In­for­ma­tio­nen zur Voll­geld-I­ni­tia­ti​ve be­haup­tet «e­co­no­mie­suis­se»​, «die heute für fast alle Zah­lun­gen ver­wen­de­ten Sicht­ein­la­gen wür­den verboten». 

 

Selbstverständlich​ verbietet die Vollgeld-Initiative die Sichteinlagen nicht. Sie verbietet den Banken einzig und allein, die Konten für Sichteinlagen mit aus dem Nichts geschöpften Beträgen zu füttern. Während normale Menschen und Firmen hart arbeiten müssen, damit sie etwas auf ihre Konten bekommen, können die Banken mit einem einfachen, durch kein Gesetz legitimierten Buchhaltungstrick Guthaben als Sichteinlagen kreieren. Bloss die Herstellung dieses privaten Geldes, das nicht einmal gesetzliches Zahlungsmittel ist, soll gemäss Vollgeld-Initiative verboten werden.

 

Wie dieser Trick funktioniert, erklärt die Nationalbank auf Seite 19 ihrer Broschüre «Die Nationalbank und das liebe Geld»: «Die Banken schaffen neues Geld, indem sie Kredite vergeben.» Anstatt das Geld der Sparer dafür zu nehmen, wie sie immer behaupten, schreiben sie den gewünschten Betrag einfach in das Konto des Kreditnehmers. Die Banken können mit diesem selbst gemachten Geld sogar selber Vermögenswerte kaufen und die Credit Suisse rettete sich mit solchem «Geld» durch die Finanzkrise, eine Praxis, die mittlerweile international verboten ist.  

 

Der Geldschöpfungsgewinn der Banken ist ausserordentlich hoch, aber nicht leicht zu berechnen. «Der niederländische Ökonomie- und Statistikprofessor Merijn Knibbe kommt mithilfe der gleichen Berechnungsmethode, wie sie für Zentralbanken gilt, für die privaten Banken des Euroraums auf einen Brutto-Geldschöpfiung​sgewinn vor Verwaltungskosten von knapp 300 Mrd. Euro pro Jahr», schreibt der deutsche Finanzautor Norbert Häring (Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen. Quadriga, 2016. S. 138/139). Zum Vergleich: Der Geldschöpfungsgewinn der Europäischen Zentralbank lag in den letzten Jahren dagegen bloss bei 20 b is 25 Mrd. Euro.

 

Es ist verständlich, dass sich die Banken mit allen verfügbaren Mitteln für die Erhaltung des nie rechtmässig zustande gekommenen Geldschöpfungsprivile​gs einsetzen. Diese propagandistische Arbeit leisten sie auch nicht selber, sondern schicken andere vor. Während bei der Lancierung der Initiative «avenir suisse» gegen die Vollgeld-Initiative kämpfte, tut es jetzt «economiesuisse», übrigens mit demselben Personal. Jörg Baumberger, em. Nationalökonomieprofe​ssor, war 2014 Ko-Autor einer Broschüre von avenir suisse mit dem Titel «Leere Vollgeld-Hoffnungen»,​ heute Abend referiert er für «economiesuisse» zum Thema «Vollgeld-Initiative – ein leeres Versprechen».

 

Aprop​os leere Versprechen: Das private Geld der Banken, das nicht einmal gesetzliches Zahlungsmittel ist, besteht aus Schulden, die zum allergrössten Teil gar nicht bezahlt werden können. Den Weltschulden von gegenwärtig 217 Bio. Dollar steht eine Weltgeldmenge M1 (Bargeld und Sichteinlagen) von 28,1 Bio. Dollar gegenüber (The World Factbook, CIA 2015). Es ist theoretisch wie praktisch unmöglich, diese Schulden, die ja mit Geld beglichen werden müssen, in ihrer Gesamtheit zu bezahlen. 

 

Mit der Vollgeld-Initiative steht der reichen Schweiz ein Instrument zur Verfügung, dieses gigantische leere Versprechen in einen ordentlichen Rechtsrahmen zu überführen. Ohne Schuldenschnitte und Abschreibungen ist dies nur in den reicheren Ländern möglich. Unter dem Vollgeld-Regime operieren die Banken dann genau so, wie sie es schon immer behauptet haben: Geld der Sparer einsammeln und an Kreditnehmer weiterverleihen. 

 

D​amit es klar ist und mich «economiesuisse» dafür vor Gericht bringen kann, wiederhole ich hier nochmals in aller Deutlichkeit: «economiesuisse» hat die eidgenössischen Parlamentarier in ihrer Einladung zum Informationsanlass vom 11. September mit der Behauptung belogen, unter der Vollgeld-Initiative würden Sichteinlagen verboten.

Was wirklich verboten werden sollte, sind solche Lügen. Sie machen Politik schlicht und einfach unerträglich und untergraben die Legitimation unserer Institutionen.

 

Mehr​ zum Thema: https://www.ch​ristoph-pfluger.ch/20​17/09/11/economiesuis​se-luegt/

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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33%
(3 Stimmen)
Georg Bender sagte September 2017

Bedenklich: Die Parlamentarier beraten das Vollgeld, ohne das bestehende System verstehen zu können. Deren Denkvermögen reicht scheinbar dazu nicht aus (Prof. Mitchell) um sich von dem Irrglauben zu verabschieden, dass Geld (Schulden) aus Kapital und Ausgaben aus Einnahmen entstehen. Der Mensch ist ein Wunder, er kann leben ohne geboren zu sein.


Ich nenne diesen Vorgang schlicht und einfach Betrug an der Öffentlichkeit. Sie gehören bestraft!

Könnten Sie das Geldsystem verstehen, die Rentenreform (Rückfluss Umlageverfahren) würde über das Endprodukt (End-Verbrauch oder Nutzung) abgewickelt. Es würden Arbeitsplätze, kreiert über das System Erwerbseinkommen, wegfallen.






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33%
(3 Stimmen)
Georg Bender sagte September 2017

Herr Pfluger

Als profunder Kenner des Geldsystems, wissen Sie genau, dass es keine Sichteinlagen geben kann, sondern nur Guthaben als Kehrseite der Bank- Kredite und Investitionen (Eigengeschäfte im Geldspielwarenmarkt und Immobilien).
Das von der ZB mit den GB mittels Geld- und Offenmarktoperationen​ geschöpfte gesetzliche Zahlungsmittel (Schneeballsystem = Multiplikator) dient dem bankübergreifenden Zahlungsverkehr für das von den GB mit ihren Kunden geschöpfte Giralgeld! Die Höhe der Guthaben bestimmt also die ZB alleine! Das Geld ist Mittel zum Zweck und steckt in den Produkten resp. Leistungen. Die Existenzkämpfe und Armut sind also Ökonomen und Politiker gemachte Phänomene. Ein glasklarer Betrug (Offizialdelikt)!

​Beim Vollgeld würde die ZB die Delkredererisiken der Geldkontoguthaben übernehmen. Die Banken können keine Kredite aus Einlagen gewähren, weil das Umgekehrte ist richtig! Wenn nun ein Kunde sein Geldkonto in ein Anlagekonto umlegt (nicht einlegt) entsteht bei dieser GB ein Guthaben, welche die Bank als Kredit verwendet. Was passiert wenn der Kunde, sein Geld wieder als Geldkonto geführt haben möchte?
Genau! Die ZB muss dieser Bank ein Kredit gewähren. Geldmengenerhöhung nach Lesart Vollgeld verzögert. Das Delkredererisiko hat die ZB! Ein Kredit kann bekanntlich nur mit einer Neuverschuldung reduziert werden, es sei denn die Geldmenge nehme ab (Vernichtung des Geldes)!

Ist das Vollgeld nun ein weiterer Betrug an der Öffentlichkeit? Wer sind seine Auftraggeber? Die Geldhorter?




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33%
(6 Stimmen)
Hans Knall sagte September 2017

Auch Sie, Herr Pfluger, outen sich als lifestylischer Bankenbasher ohne das wirkliche Problem beim Namen zu nennen.

Nicht dass Banken Geld aus dem Nichts schöpfen ist wirklich skandalös, sondern die Tatsache dass die ganze Menschheit mit der grundsätzlichen Lüge betrogen wird, dernach es überhaupt möglich sei, Geldwerte aus dem Nichts zu schaffen ohne irgendwann für diese „Werte“ zur Kasse gebeten zu werden!

Mit der von Ihnen favorisierten weltgeldsystemgläubig​en Vollgeld-Fantasie unterstützen Sie nur die Monopolisierung des Lügenertrags bei der Nationalbank.
Aber aus Sicht des Bürgers ist es egal, ob er nun von Geschäfts- oder Nationalbanken per marodierende Geldentwertung abgezockt wird. Schlussendlich verliert er in diesem Babylon-System auf jeden Fall.


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60%
(5 Stimmen)
Emil Huber sagte September 2017

Bedenklich ist, dass die Geldschöpfer gleichzeitig Teilnehmer am Kapitalmarkt sind, vergleichbar mit einem Casino, welches mit seinen selbst herausgegeben Chips (welche es praktisch nichts kosten) gleichzeitig Teilnehmer an den Spielen ist.
Daran würde wohl auch Vollgeld oder 100% Money nichts daran ändern, sondern nur das Risiko auf die Nationalbank verlagern?

In Amerika gab es einst das Glass-Steagall-Gesetz​, welches die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken vorschrieb. Dieses hatte dafür gesorgt, dass es zwischen 1933 und 1999 weniger Bankenkrisen gab. 1999 wurde es durch Präsident Clinton aufgehoben.

https:​//de.wikipedia.org/wi​ki/Glass-Steagall_Act​

Daran würde wohl auch Vollgeld oder 100% Money nichts daran ändern, sondern nur das Risiko auf die Nationalbank verlagern?

Eine Vorschlag zu einer anderen Reform findet man hier:

http://www.p​olitnetz.ch/artikel/2​3244-banken-und-gelds​ystem-reformieren-kei​ne-flickschusterei-wi​e


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