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Die göttliche Ordnung

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Der gross­ar­tige Schwei­zer Film „­Die gött­li­che Ord­nung“ do­ku­men­tiert ein­drück­lich den Kampf der Schwei­zer Frauen für ihr Stimm- und Wahl­recht. Er be­schreibt dabei auch den da­ma­li­gen Zeit­geist und die hoff­nungs­lose Ü­ber­for­de­rung der Män­ner. - Aber der Film ver­ur­teilt nicht. Es wäre auch nicht fair, mit heu­ti­gen Mass­stä­ben über die da­ma­li­gen Fra­ge­stel­lun­gen zu ur­tei­len.

Dennoch habe ich mich nach diesem Film geschämt - als Mann geschämt... Und zwar nicht wegen den Männern von damals, die in aller Selbstverständlichkei​t Ungerechtigkeiten als Alltäglichkeit geduldet haben. Nein, ich habe mich geschämt wegen der heutigen Männergeneration. - Wir, die glauben, seit der Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971 sei Gleichberechtigung eine Tatsache. Wir, die schmunzelnd im Kino den Männern von damals zuschauen und dabei den Kopf schütteln. - Wir sind diejenigen, die sich zu schämen haben. Denn ist es ist eine Tatsache, eine gesellschaftliche Realität, dass die „göttliche Ordnung“ auch im Jahr 2017 immer noch Ungerechtigkeiten bedeutet. Wir akzeptieren diese Ungerechtigkeiten mit der genau gleichen Selbstverständlichkei​t und Gleichgültigkeit wie die Männer von 1971. Und dabei glauben wir noch ernsthaft, es sei ja inzwischen besser als damals; wir Männer seien besser als damals... - Nun, das Frauenstimmrecht mag eine gelebte Selbstverständlichkei​t geworden sein. Darauf sollten sich aber weder dieses Land noch die Männer in diesem Land irgendetwas einbilden.

Vielmehr sollten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, weshalb beispielsweise Lohngleichheit zwischen Mann und Frau noch keine Realität ist. Wir sollten uns mit der Frage auseinandersetzen, weshalb die beruflichen Chancen der Frauen unnötig und blödsinnig erschwert werden - beispielsweise durch steuerliche Fehlanreize oder durch mangelnde Kinderbetreuungsangeb​ote. - Warum niemand dann „Verfassungsbruch!“ schreit, wenn tatsächlich die Verfassung nicht umgesetzt wird...

Mit einer erschreckenden Regelmässigkeit wird in Bundesbern eine „göttliche Ordnung“ manifestiert, die Ungerechtigkeit zum schweizerischen Alltag macht. Allein in der Frühlingssession 2017 wurden drei Versuche der BDP-Fraktion abgewiesen, die bürgerlichen Fortschritt ermöglicht hätten: Ein einfacherer beruflicher Wiedereinstieg nach einer Familienphase hätte die beruflichen Chancen von Müttern erhöhen und gleichzeitig die Arbeitgeber entlasten sollen. Der institutionelle Einbezug von Frauenorganisationen in die Sozialpartnerschaften​ hätte die Interessenvertretung für Frauen verbessern können. Und ein Elternurlaub hätte für gleich lange Spiesse von Vätern und Müttern sorgen sollen. - Eine Nationalrätin meinte dazu, solange Männer keine Kinder austragen können, müsse man nicht über einen Elternurlaub diskutieren... - Damit war also geklärt, wie die „göttliche Ordnung“ in diesem Land auszusehen hat.

Offensichtlich sind weder die Politik noch die Wirtschaft in der Lage, Ungerechtigkeiten zu beseitigen. - Wenn aber irgendwo ein #womensday gefeiert wird und die Journalisten und Fotografen bereit stehen, dann wollen alle mit rosaroter Wolle stricken. Und niemand hinterfragt dann, wie oft derjenige oder diejenige, die jetzt gerade ins Blitzlichtgewitter strahlt, schon Ungerechtigkeiten unterstützt hat. Nein, niemand wird in der Schweiz an den politischen Pranger gestellt, wenn er Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen unterstützt. Es ist ja nur ein Abstimmungsknopf... Verstaubte Männer und konservative Frauen ignorieren die Bedürfnisse einer modernen Gesellschaft. Linke und rechte Forderungen blockieren sich gegenseitig. Was fehlt, sind vernünftige und lösungsorientierte Kräfte. Die Erkenntnis, dass Vernunft und Kompromisse dieses Land geformt haben, nicht Polarisierung und Isolation. - Was fehlt, ist bürgerlicher Fortschritt!

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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43%
(21 Stimmen)
jan eberhart sagte May 2017

es ist schon erstaunlich, dass die ersten staaten das frauenwahlrecht nach dem 1. wk einführten und die schweiz bis 1971 wartete, als einer der letzten nachzügler.




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59%
(22 Stimmen)
Urs Gassmann sagte May 2017

Ich befasse mich hier nur mit Herrn Landolts Auflage, uns damit auseinanderzusetzen, weshalb
die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau noch keine Realität ist. Ich habe dies getan, im Gegen-
satz zu Herrn Landolt, der ja auch allgemein keine Tiefgänge unternimmt. Die diesbezüglichen Statistiken (deren Seriosität allerdings ebenfalls zu hinterfragen ist, weil dahinter Soziologen stecken, bei denen überwiegend Unwissenschaftlichkei​t und Voreingenommenheit augenfällig sind) stellen fest, die durchschnittliche Differenz betrage ungefähr 18 Prozent, wovon aber nur die Hälfte nachvollziehbar sei; der Rest sei absolut unerklärbar. Demzufolge werden von oberflächlich denkenden Politikern Frauenquoten gefordert.

Das stärkste die Forderung nach Frauenquoten ad absurdum führende Argument dürfte die Frage sein, weshalb denn Unternehmer bereit sind, den Männern um „nicht erklärbare“ 9 Prozent mehr auszurichten als den Frauen und konsequenterweise nicht ausschliesslich Frauen einstellen. Die Antwort, dies sei bloss eine tradierte Praxis, verhält nicht, denn wo Wirtschaftlichkeit im Spiel ist, verschwinden immer sofort alte Zöpfe. Also muss dieses als anachronistisch dargestellte „Phänomen“ woanders seine Ursache haben, wo ganz offensichtlich die von Herrn Landolt vermisste Vernunft durchaus vorzuwalten scheint. Und diese Vernunft scheint eine Kompromissbereitschaf​t auzuschliessen.

Doch diese Ursache zu erforschen ist tabu – viele Erklärer werden als an „politischer Korrektheit“ sich Vergehende ganz einfach niedergeschrien – und die ihre Resultate publizierenden Forscher hätten mit der Vernichtung ihrer Existenz zu rechnen. Von dieser konzertiert und von langer Hand aufgebauten Barriere profitieren die Förderer der Idee der Frauenquoten, die viel weniger davor zurückzuschrecken brauchen, sich mit ihren blossen Bemühungen um Applaus vonseiten ihrer gleichermassen einfältigen Wählerschaft einer unsäglichen Lächerlichkeit auszusetzen.




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58%
(19 Stimmen)
Georg Bender sagte May 2017

Herr Landolt

Scheinheil​ig, keine göttliche Ordnung!

Die Ungleichheit hat System und wird immer noch von der Feudalherrschaft vorgegeben! Die Ökonomen und Politiker üben das Handwerk ihrer Auftraggeber aus!

Warum haben wir immer noch ungleiche Löhne für die gleiche Arbeit für die Beschäftigten? Ökonomischer Unsinn von Standort und Bedingungen mit dem gleichem Zahlungsmittel!
Schö​nes und bequemes Wohnen darf eben nicht subventioniert werden! Die Arbeit ist aber bei gleichwertiger Ausführung eben gleichwertig, ob in Zürich oder Delsberg umgesetzt!

Auch die Flickschusterei 2020 zeigt deutlich auf wie man Gott weiterhin ins Handwerk pfuscht!
Solange die Bedürfnisse einer Bevölkerung abgedeckt werden können, zirkuliert ausreichend Geld und die AHV Rente ist bei einer ordentlichen Abwicklung gesichert (Abfluss = Rückfluss = Rechnen)!

Es soll mir bitte jemand erklären, (auch Politiker sind gefragt) warum der Rückfluss über die Lohnsumme (Beschäftigte) abgewickelt werden muss? Wo ist diese nicht ökonomische Pflicht festgehalten?

Bei abnehmender Erwerbsarbeit und zunehmenden Rentenausgaben kann die Rechnung über die Lohnsumme nicht aufgehen!

Die Wirtschaft wird bei dieser Reform völlig verschont, obwohl Teile der Wirtschaft von der Automatisation profitieren, weil der Roboter weder konsumiert noch Beiträge bezahlt!
Gewinn = Ungleichheit nennt sich das Spiel!

Ich vermute mal: Man will das Lügenspiel von Demografie (Renteneintrittsalter​ und Lebenserwartung) und Generationsvertrag als monetäre Leistung (Jung finanziert Alt), weiterhin zelebrieren! Wie kann man sonst diesen Vorgang noch bezeichnen?

In 5 Jahren werden wir wieder das Loch mit Erhöhung des Rentenalters, stopfen! Die Feudalherrschaft freut es und belohnt ihre Handwerker!

Wie stellen Sie sich eigentlich den Zufluss der Kaufkraft laufend zunehmender Automatisierung vor? Abwicklung über die Lohnsumme? Monatsgehalt eines noch Erwerbstätigen CHF 250'000 Sozialumlage CHF 240'000, oder Teile davon? Verhältnis dargestellt!

Nicht Gott gegeben Herr Landolt!
Ihre Stellungnahme erwarte ich mit grosser Spannung!



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