Volkswirtschaftslehre,

Der Ständerat weiss nicht, was Geld ist

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Die grosse Ent­täu­schung der gest­ri­gen Voll­geld-­De­batte im Stän­de­rat war nicht die Ab­leh­nung der In­itia­ti­ve. Das war zu er­war­ten. Der grosse Schock war die flächen­de­ckende Un­kennt­nis über die Ma­te­rie, die ent­schie­den wurde. 

 

«Echte Franken für alle!», «ja zu sicheren Konten» – mit solchen und ähnlichen Slogans wirbt die Vollgeld-Initiative für ihr Kernanliegen. Der schnelle Betrachter denkt: Hier geht es um die Sicherheit unseres Geldes! So dachten auch die Ständeräte, welche die Vollgeld-Initiative ausnahmslos als «Antwort auf die grosse Finanzkrise» verstanden, wie sich Paul Rechsteiner (SP, SG) ausdrückte. Aber selbstverständlich geht es um wesentlich mehr als nur um die Sicherheit unseres Geldes. Es geht um die grosse Gerechtigkeitsfrage, wer Geld, also Kaufkraft, schöpfen kann und zu welchen Bedingungen. Wer Geld herstellen kann, kann kaufen ohne zu leisten, weshalb das Recht der Geldschöpfung historisch immer beim Souverän angesiedelt war. Erst mit der Gründung der Bank of England 1694 wurde privates Geld öffentlich sanktioniert. Seither hat das Geld der privaten Banken förmlich die Welt erobert.

 

Die Unsicherheit ist einer der Geburtsfehler dieses privaten Systems, der auch durch die Zentralbanken nicht beseitigt werden kann. Die Ursache ist leicht zu verstehen: Die Banken schöpfen bekanntlich Geld, indem sie Kredite verleihen. Sie brauchen dazu nicht das Geld der Sparer, sondern schreiben den gewünschten Betrag einfach ins Konto des Kreditnehmers. Dabei, und das ist die grosse Krux dieses Verfahrens, entsteht ein gleich bleibender Betrag neuen Geldes, der in Zirkulation geht und eine mit dem Zins steigende Forderung auf Rückzahlung. Deshalb ist  nie genug Geld im System, um alle Forderungen zu bezahlen. Aktuell steht den globalen Schulden von 217 Billionen Dollar (Institute of International Finance) eine Weltgeldmenge M1 (Bargeld und sofort verfügbare Bankguthaben) von 28,5 Billionen Dollar gegenüber (The World Factbook, CIA). Die Finanzindustrie «löst» das Problem, in dem die Schulden stehen gelassen werden, solange sie bestimmte, immer larger gehandhabte Grenzen nicht übersteigen, indem ständiges Wachstum und kontinuierliche Kreditschöpfung gefördert werden und indem die Zentralbanken private und öffentliche Schuldtitel aufkaufen und damit Geld in Umlauf bringen.

 

Kein einziges Mal wurde in der Ständeratsdebatte die Rechtmässigkeit der privaten Geldschöpfung thematisiert und schon gar nicht die Frage, ob ein solches System überhaupt durchzuhalten ist. Mit der Sicherheitsfrage im Fokus konnte der Ständerat ohne Probleme den Argumenten der Banken folgen, die das bestehende System als funktionierende Ordnung darstellen mit einem Verbesserungsbedarf, an dem auch gearbeitet würde. Und vor allem konnte er sich auf die offene Flanke der Initiative konzentrieren, die von den Initianten nur ungenügend gesichert wurde, die Tatsache nämlich, dass noch kein Land das Vollgeld eingeführt hat. Denn in Volksabstimmungen gewinnen nie die umwälzenden Ideen, und seien sie noch so gut. 

 

Wenn sie schon nicht zu gewinnen ist, dann müsste man von einer solchen Initiative eine breite aufklärende Wirkung erwarten mit der Erkenntnis, dass die Banken den Unsinn selber herstellen, für den sie dann gerettet werden müssen. Denn «die nächste Finanzkrise ist so sicher wie das Amen in der Kirche», wie Ständerat Thomas Minder in der Debatte meinte. Dann möchten wir doch lieber nicht von Politikern mit groben Verständnislücken zu falschen Lösungen geführt werden, sondern von Menschen, die erkannt haben, dass die Geldschöpfung nicht privaten Interessen überlassen werden darf, sondern unter demokratische Kontrolle gehört. Etwas anderes ist einer direkten Demokratie nicht würdig.

 

Mehr dazu in «Im Rat der Ahnungslosen»


Kommentare von Lesern zum Artikel

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100%
(4 Stimmen)
Georg Bender sagte October 2017

Kurzabriss meiner neusten Kreation.
Nebenbei: Vor Jahren hatten wir die Zins- und Devisenkonvention. Verschiedene Banken, ein Preis! Dann kamen die einfältigen Ökonomen und wollten Wettbewerb! Warum soll eine Bank die Geldschöpfung aus dem Nichts günstiger abgeben, weil die Kredite ja nicht von Einlagen geschöpft werden (umgekehrt)! Der Denkfehler wie Geld entsteht wurde geboren!

"Moderne menschengerechte Geldtheorie (ohne Spieltrieb)", von Georg Bender, 15. Oktober 2017
Mit meinen Beiträgen mache ich nicht auf die Schlupflöcher aufmerksam, sondern auf die von Ökonomen und Regierenden, zur Unterdrückung der Menschen, auferlegten Hindernisse, welche natürlich auch Schlupflöcher beinhalten.

Kein Tier käme auf die idiotische Idee, sich selber Hemmnisse zu kreieren!

Eine Währung = eine Bank! Einzige Aufgabe: Die Geld- Versorgung und Administration! Alle anderen Spielarten, obliegen Nichtbanken, welche das "angesparte" Geldvolumen aus Bankschulden, produktiv umlegen wollen? Spielgesetz: „„no risk no fun?“

Der Staat als Währungshüter, fordert von der Bank das zur Abdeckung des Gemeinwohls (geistige und finanzielle Grundsicherung und Infrastruktur) zins- und schuldenfreie Geldvolumen. Der Staat erklärt den Ökonomen und Bevölkerung, folgerichtig klar und deutlich, dass der Rückfluss seiner Ausgaben, zur Preisstabilität und Umwelt beiträgt! Der Staat braucht keine Einnahmen um das Gemeinwohl abzudecken. 10% der Politiker wären noch notwendig und die Fakultät Ökonomie, müsste sich neu orientieren? Die täglichen Orakelaussagen in den Medien, dienen einzig für die Umsetzung des Spieltriebs!

Eine völlig andere Gesellschaft würde entstehen, welche sich auf das Menschsein (Beschäftigung und Freizeit) konzentrieren könnte?




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25%
(4 Stimmen)
Georg Bender sagte October 2017



Wenn die Begriffe nicht stimmen, dann ist das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte“ Konfuzius!

Das Buchgeld wird mit Zahlen in den Bankbuchhaltungen festgehalten. Dabei stehen die meisten von den Ökonomen verwendeten Begriffe und Aufzeichnungen, nicht im Einklang mit der Geldschöpfung. Ein Erklärungsmuster dafür könnte sein, dass die Ökonomen die Folgerungen eines Fiat-Währungssystems nicht ausgearbeitet haben?
Dies glaube ich eher nicht, denn die Menschen sind doch nicht so albern, um zu verstehen, warum wir am gold-standard-typisch​en Verhalten festhalten, in einem System, das ein solches Verhalten nicht benötigt?

Beispiel​e: (nicht abschliessend)
1. Mi​ttelflussrechnung
1.​1. Beschaffung
1.1.1​. Richtig wäre:
1.1.1.1. Plus Aktiven und minus Passiven
1.1.2. In sämtlichen Bankbilanzen falsch:
1.1.2.1. Plu​s Passiven und minus Aktiven
1.2. Verwend​ung
1.2.1. Richtig wäre:
1.2.1.1. Plus Passiven und minus Aktiven
1.2.2. In sämtlichen Bankbilanzen falsch:
1.2.2.1. Plu​s Aktiven und minus Passiven
2. Kapitalm​arkt
2.1. Richtig wäre
2.1.1. Spielwar​enmarkt mit
2.1.1.1. Kundeng​uthaben
2.1.1.2. Fau​len Krediten an Kunden und Staat, Wirtschaft Operationen der Banken (verfassungswidrig)
​3. Einzelne Begriffe
3.1. Frakti​on = Mischung von Buch- und Zentralbankgeld
3.2.​ Kapitalpolster = Delkrederereserveanpa​ssung von Kunden (kann jederzeit durch eine gedeckte Forderung erfolgen)
3.3. Finanzierung = Umlage aus Fraktion, oder Geldschöpfung (Beschaffung)
3.4. L​iquidität
3.4.1. Zen​tralbankgeld (Zahlungsverkehr bankübergreifend)
3.​4.1.1. Bankgiroguthab​en bei der Zentralbank = Buchgeldumlage für Wirtschaftoperationen​ der Zentralbank (nicht durchlässig)
3.4.1.1​.1. Interbankkredite bei fehlender Liquidität
3.4.1.2. ​Liquiditätsreserve Umlage ab Bankgirokontoguthaben​ (Spielform nicht notwendig)
3.5. und vieles mehr

4. Bilanzposi​tionen
4.1. Aktiven

4.1.1. Richtig wäre:
4.1.1.1. Kredi​te an Kunden
4.1.1.1.1. Au​fteilung in Privatwirtschaft und Staat (Gemeinden, Kantone, Bund) fehlt
4.1.2. In sämtlichen Bankbilanzen falsch
4.1.2.1. Kund​enausleihungen (Banken verleihen kein Geld)
4.2. Passiven

4.2.1. Richtig wäre:
4.2.1.1. Kunde​nguthaben (Gesetzlich ergänzende Risikozuordnung)
4.2​.1.2. Delkrederereser​ve Kunden
4.2.1.3. Sich​teinlagen (existiert nicht)
4.2.2. In sämtlichen Bankbilanzen falsch:
4.2.2.1. Ver​pflichtungen (Kundengelder = existieren nicht)
4.2.2.2. Eige​nkapital (Aus Kundenguthabenumlage entstanden)
4.2.2.3.​ Sichtguthaben (Bankgiroguthaben = geschöpft mit Wirtschaft Operationen = Verfassungswidrig








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25%
(4 Stimmen)
Georg Bender sagte October 2017

Verstehen die Initianten und die Bevölkerung, einerseits den Sinn des FIAT Geldsystems und andererseits das Versagen der Regierenden bei dessen Umsetzung (Einsparungen, Schuldenbremse, etc.), mit der Ansicht, dass aus der Geldschöpfung nur die Schulden "vererbt" werden?


Die Ursache im Aufstand der Katalanen hat m.E. mit dem Nichtverstehen des Geldsystems resp. dessen Umsetzung durch die Regierenden zu tun. Anstatt die Existenzkämpfe und Armut zu beseitigen, genügend Kaufkraft bereitstellen, sei es durch die Wirtschaft (im Preis des Produkts enthalten) oder Haushaltdefizit, wird die Staatsgewalt geprobt. Die Regierenden der anderen Länder polemisieren mit dem Schlachtwort "Demokratie", dabei liegt es an der Kaufkraft - Unterversorgung. Deutschland als Kriegstreiber der andren Art?
MMT, wie auch ich haben eine klare Meinung: Ein Erklärungsmuster ist, dass der Berufsstand [der Ökonomen] die Folgerungen eines Fiat-Währungssystems nicht ausgearbeitet habe. Ich glaube das nicht, denn die Menschen sind nicht so albern. Also ich denke, Sie haben tiefer zu graben, um zu verstehen, warum wir am gold-standard-typisch​en Verhalten festhalten, in einem System, das ein solches Verhalten nicht benötigt.

Ein Betrug an den Menschen! Die Selbstzerfleischung als Lebensgrundlage! Die begrenzte Intelligenz kann leider die unbegrenzte Dummheit nicht beseitigen?

Auch hier gilt: "Würden die Menschen den Sinn des FIAT-Geldsystem verstehen (Abweichung zum Goldstandard), wir hätten eine andere Gesellschaft. Die Ökonomen (Handwerker der Elite) sowie Politiker und Medien (Lakaien der Politiker) wissen es mit unnötigen zu verhindern, damit ihre Wichtigkeit nicht leiden könnte?

Herzlichst​ Georg Bender




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25%
(4 Stimmen)
Georg Bender sagte October 2017

Ein stinknormaler Geschäftsvorfall im Vollgeld:
Aufgabe:
​Meinung Georg Bender: Ein Übertrag von Geldkonten auf Anlagekonten (bilanzwirksam) wird als Kundeneinlage verstanden, dabei ist das Geld bereits aus einer Schuld entstanden, welche evt. die Nationalbank bereits als Darlehen abgedeckt hat. Dummheit PUR!

Anfrage:Erklä​ren Sie bitte, wie folgendes bei Bank B bilanziert werden soll:
Kunde nimmt bei Bank A 50'000 auf, kauft beim Schreiner Arbeit für 50'000 ein. Der Schreiner macht 5'000 Gewinn und zahlt dies bei Bank B ein. Kein Anlagekonto?

Lösun​g Georg Bender:
Gehen wir zur Geburt des Geldes zurück. Es lebt als nicht getilgte Bankschuld! Der Gewinn kann nur mit höherer Geldmenge (Schuld) oder Schuldengeldbesitzuml​age (der eine mehr der andere weniger), realisiert werden.
Buchungsabla​uf beim Vollgeld (aus dem Buch Vollgeld von Prof. Mayer).
Die Bank B kann nur einen Kredit gewähren, wenn sie über ein Bankgirokontoguthaben​ (bilanzwirksam verfügt)! Dieses Guthaben (Reserve) entsteht geldtechnisch, heute nur mit den Geld- und Offenmarkt Operationen der SNB mit den GB und nicht aus Kundeneinlagen, welche nicht als Liquidität geschöpft werden kann. Beim Vollgeld schöpft die SNB zusätzlich das Geld mittels Darlehen an die GB, damit die GB, Kredite an die Wirtschaft gewähren kann. Damit meint das Vollgeld, die SNB bestimme die Geldmenge?
Nebenbei:​ die SNB übernimmt das volle Delkredererisiko im Umfang der Geldkontoguthaben (heute nicht).
Verbuchungen​ Annahme Guthaben vorhanden, abgekürzte Form. Die Bilanzsumme wird nicht als Geldmenge M betrachtet.
Die Geldkonten werden mit Zahlen ausserhalb jeder Bankbilanz registriert.
1. Geschäftsbank A
1.1. Bilanz Ausgangslage verkürzt:
Aktiven:
Bankgiroguthaben CHF 50M
Kredite CHF 150M
Passiven:
Anla​gekontoguthaben CHF 50M
Darlehen SNB CHF 100M
Eigene Mittel CHF 50M
2. Geschäftsvorfall
2.1​. Geschäftsbank A
2.1.1. bilanzwirksam keine Bilanzausweitung nach Vollgeld
Soll: Kredit Leistungsnachfrager CHF 50M
Haben: Bankgirokonto CHF 50M
2.1.2 Zentralbank
Soll Bankgirokonto GB A Übertrag an Schreiner CHF 50M
Haben Geldkonto Schreiner CHF 50M

Soll Geldkonto Schreiner Kosten CHF 45M
Haben Geldkonto X Löhne et c. CHF 45M

Aus diesem Geschäftsvorfall heraus erhält die GB B keinen Nutzen resp. keine Bilanzveränderung. Wenn jedoch der Schreiner seinen Gewinn auf das Anlagekonto der GB B umlegt (keine Einlagen wie es das Vollgeld suggeriert (Irreführung = Betrug?) so entsteht ein Nutzen, indem die Bank B einen Kredit von CHF 5M gewähren kann.

1. Verbuchung bilanzwirksam
1.1 Geschäftsbank B
Soll Bankgirokonto SNB CHF 5M
Haben Anlagekonto Schreiner CHF 5M
1.2. Zentralbank
Soll Geldkonto Schreiner
Haben Bankgirokonto GB B

Soweit so gut. Was passiert nun wenn die Anlagekunden bei Bank A, ihr Guthaben in das Geldkonto umlegen wollen? Es fehlen CHF 50M. Die SNB muss im Nachhinein mit einem weiteren Darlehen nachhelfen, oder die GB A muss entweder einen Geldkontokunden animieren bei ihnen ein Anlagekonto zu bilden, oder bei einer anderen Bank ein Interbankkredit aufnehmen.
Genau gleich wie heute!
Frage: Wer bestimmt nun die Geldmenge? Beim Vollgeld übernimmt einzig und alleine die SNB das Delkredererisiko. Dagegen ist nichts einzuwenden, man sollte nur mi der Wahrheit umgehen können?

Das Delkredererisiko würde auch bei meinem Vorschlag für die Kunden begrenzt, jedoch die Teilnahme am Schuldengeldspielware​nmarkt, wäre ohne weitere Regelungen, verfassungsrechtlich korrekt umgesetzt.

Reform und nicht Flickschusterei!

A​lles klar?

Gruss Georg Bender









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33%
(3 Stimmen)
Georg Bender sagte October 2017

Herr C. Pfluger und Angesprochene
Erklär​en sie den Unterschied des Schneeballsystems Vollgeld zum jetzigen System?

Beispiel nach Art des Vollgeld: (Multiplikationseffek​t = Geldeinlagen, welch eine Lüge)

1. Mensch A hat ein Geldkontoguthaben (kein Delkredererisiko) von CHF 500'000. Die Zinsen steigen an. Er will ein Anlagekonto bei Raiffeisen eröffnen. Bei der Zentralbank wird das Geldkonto belastet und das Bankgirokonto gutgeschrieben. Bei RB wird das Bankgirokonto belastet und das Anlagekonto gutgeschrieben. Keine Geldmengenveränderung​.
2. RB gewährt an Mensch B einen Baukredit von CHF 450'000 für die Leistungserbringung von Mensch C. RB bucht: Mensch B Soll Kreditkonto an Haben Bankgirokonto. ZB bucht Soll Bankgirokonto an Haben Geldkonto Mensch C. Keine Geldmengenveränderung​.
3. Mensch C überträgt das Geldkontoguthaben auf sein Anlagekonto bei der RB. RB bucht Soll Bankgirokonto an Haben Anlagekonto Mensch C. ZB bucht Soll Geldkonto an Haben Bankgirokonto = keine Geldmengenveränderung​.
4. RB gewährt einen Baukredit an Mensch D über CHF 450'000 für die Leistungserbringung von Mensch E. Gleiches Verfahren wie 2. Keine Geldmengenveränderung​, weil die SNB musste keinen Kredit gewähren.
5. Mensch E überträgt das Geldkontoguthaben auf sein Anlagekonto bei der RB. Verfahren wie 3.

Nach Methode Vollgeld verändert sich die Geldmenge M nicht. Es wurde jedoch CHF 900'000 mehr Geldguthaben (Potenzial) geschaffen. Das Vollgeld berechnen jedoch nur aus der Bankbilanz das Bankgiroguthaben und der Bestand der Geldkonten als Geldmenge M.

Heute: Weil die Geldtransaktionen im Hause RB stattfinden, erhöht sich die Geldmenge um CHF 900'000 = Erhöhung Kredit- und Guthabenvolumen. Wäre nun bankübergreifende Transaktionen notwendig gewesen (Kundenverbindungen bei verschiedenen Banken) wäre einfach die Manöveriermasse auf den Bankkonten bei der ZB hin und her geschoben worden. Auch hier meinen die Menschen es handle sich um Kundeneinlagen. Bei den Bankgiroguthaben reden die Ökonomen auch von Sichteinlagen anstatt Sichtguthaben, welche einzig aus Geld- und Offenmarktoperationen​ zwischen ZB und GB entstanden sind. Buchgeldeinlagen sind nicht möglich weil sie nicht existieren.

Ich behaupte, dass Vollgeld-Guru Mayer und seine Mitinitianten den genannten Ablauf, so wenig verstehen wie 99% der Bevölkerung. Kein einziger Journalist versteht das Geldsystem, andernfalls die Kommentare völlig anders ausfallen würden. Nur mit Unwissen sind Manipulationen möglich. Wie Rentenreform!




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40%
(5 Stimmen)
Karlos Gutier sagte October 2017

Wenn man etwas Anonym bezahlen will ist es auf der Seite "Silk Road" mit Bitcoins möglich und hebelt alle Ökonomiesätze von Georg Bender aus.
Es ist nicht nachverfolgbar und ersetzt den Bankenplatz mit seinen Geheimkonten, nicht mal die Steuerämter haben da Einsicht und es gibt auch keinen automatischen Informationsaustausch​ , das totale Bankgeheimnis.


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67%
(6 Stimmen)
Emil Huber sagte October 2017

Vielleicht klärt folgendes etwas auf, wie es mit dem Geld heutzutage (wo Geld nicht mehr aus dem seltenen Metall Gold besteht) so läuft:

Schulden, Defizite und Moderne Geldtheorie

Ein Interview mit Bill Mitchell, geführt von Winston Gee

(Bill Mitchell ist Professor für Wirtschaftsforschung und Direktor des Zentrums für „Vollbeschäftigung und Gerechtigkeit“ an der Universität von Newcastle in Australien. Der folgende Dialog ist eine editierte Abschrift des am 15. August 2011 geführten Interviews.)

Profe​ssor Mitchell, heute möchte ich mit Ihnen über moderne Geldtheorie ([Modern Monetary Theory] MMT) sprechen – deren theoretischen Ansatz Sie im Wesentlichen mit entwickelt haben – und deren Bedeutung für aktuelle Debatten über die öffentlichen Finanzen. Ich weiß, Sie verfolgen den Diskurs des wirtschaftswissenscha​ftlichen Mainstreams recht bissig. Zum Beispiel schrieben Sie kürzlich in Ihrem Blog, daß „die Wirtschafts-Medien von finanziellen Fragen folgender Art dominiert werden – zu viel öffentliche Verschuldung; Schulden-Deckelung; Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen; Länderrisiko, und von dem ganzen Rest der Nicht-Fragen, die in den Mittelpunkt der Debatten gerückt sind.“ Könnten Sie sich einen Moment Zeit nehmen, zu erklären, warum diese Dinge der modernen Geldtheorie keine Probleme bereiten?

Das wichtigste Mißverständnis ist, daß die Moderne Geldtheorie (MMT) irgendwie ein Ideal oder eine neue Regelung, die eingeführt werden könnte, umreißen würde. Tatsache hingegen ist, daß MMT nur das System beschreibt, in dem die meisten Länder seit 1971 leben, als US-Präsident Richard Nixon die Konvertierbarkeit des Dollar in Gold aussetzte. Hierdurch wurde das System fester Wechselkurse aufgegeben, auf das sich alle Länder geeinigt hatten, d.h. ihre Währungen gegenüber dem Dollar festzusetzen, der wiederum im Preis gegen Gold fix war. Seit jenem Tag leben also die meisten von uns in einem sogenannten Fiat-Währungssystem [zu lat. fiat „es möge entstehen“, ist Konjunktiv des Präsens des Verbs fieri].

In einem Fiat-Währungssystem hat die Währung Legitimität auf Grund der Gesetzgebung. Die Regierung sagt uns: Dies ist die Währung und dann legalisiert sie sie als solche. Die Währung hat keinen inneren Wert. Was ihr Wert gibt, was uns motiviert, sie zu gebrauchen, ist die Tatsache, daß die Regierung vorschreibt, sie zu verwenden, daß alle steuerlichen Pflichten auf diese Währung lauten und in ihr bedient werden müssen. Wir haben keine Wahl. Wenn Sie zum Beispiel in Amerika leben, haben Sie die amerikanischen Steuern in US-Dollar an den IRS [der Internal Revenue Service ist die Bundessteuerbehörde der USA] zu zahlen. Das heißt die Nachfrage nach der Währung, die ansonsten nur wertlose Fetzen Papier wäre, ist bestimmt durch die Tatsache, daß alle steuerlichen Pflichten mit dieser Währung gelöscht werden müssen. Wenn man dies bedenkt, erkennt man sofort, daß die nationale Regierung das Monopol auf die Ausgabe dieser Währung hat. Das bedeutet, daß in einem solchen System die nationale Regierung nie zu wenig von dieser Währung haben kann, es kann ihr nie das Geld ausgehen. Sie braucht nicht Sie oder mich, um ihr Geld zu leihen oder Sie und mich, um ihr Steuern zu entrichten, damit sie mehr Geld bekommt. Ihr kann niemals das Geld ausgehen. Die erste grundlegende Einsicht von MMT ist also: Regierungen sind in ihren Ausgaben nicht durch die Notwendigkeit eingeschränkt, Einnahmen haben zu müssen.

Wenn Sie dieser Logik ein wenig weiter folgen, könnten Sie fragen: „Nun, zahlen wir nicht Steuern und kaufen Anleihen, so daß die Regierung Geld ausgeben kann?“ Nun, stellen Sie sich bitte zunächst selbst die Frage: „Woher bekommen Sie das Geld, Steuern zu zahlen und Anleihen zu kaufen?“ Und die Antwort ist die, daß wir erst ab dem Moment die Hand auf die Währung legen können, wenn die nationale Regierung sie ausgibt. Die Ausgabe der Währung ist die erste Handlung in einem Fiat-Geldsystem, die Besteuerung und die Kreditaufnahme sind nachfolgende Handlungen. In der Tat, die Regierung besteuert nur etwas, das sie bereits ausgegeben hat, und sie holt mittels Kreditaufnahme wieder das Geld zurück, das sie bereits ausgegeben hat. Sobald man dieser Logik folgt, wird deutlich, daß die meisten der Sätze, die rund um den Globus die aktuellen Debatten dominieren, auf falschen Prämissen beruhen.

Eine weitere grundlegende Prämisse der MMT ist die, daß wir heute in einer Welt flexibler Wechselkurse leben, so daß alle Ungleichgewichte auf dem Devisenmarkt über Währungsschwankungen aufgelöst werden. Das heißt, daß die inländischen politischen Instrumente –Zentralbank und Finanzpolitik– frei in ihrer innenpolitischen Zielsetzung sind, wissend, daß der Wechselkurs der Währung Ungleichgewichte aufgrund von Handelsdefiziten, Handelsüberschüssen etc. verrechnen (ausgleichen) wird.

Ich möchte auf ein paar Sachen abheben. Die erste ist, daß MMT zu der grundlegenden Einsicht führt, daß Regierungen nicht im voraus Steuern erheben oder sich Geld leihen müssen, bevor sie es ausgeben können. Angesichts der jüngsten Aufregung über Rating-Herabstufungen​ könnte man sich fragen: Wenn das stimmt, warum mühen sich dann die Regierungen weiterhin mit der Schuldenfrage und mit der Disziplin der Anleihenmärkte und den Rating-Agenturen ab?

Ja, das ist eine interessante Frage, denn es handelt sich hierbei um eines der Dinge, die wirklich vereiteln, daß Leute die Moderne Geldtheorie (MMT) verstehen. Unter dem sogenannten Bretton-Woods-System – dem System der festen Wechselkursanbindung,​ das von der Nachkriegszeit bis 1971 galt – hatten die Regierungen beschränkte Einnahmequellen, weil die Zentralbank nur erlauben konnte, so viel Geld in den Wirtschaftskreislauf zu bringen, wie es dem von ihr gehaltenen Gold und somit dem Wert der Währung entsprach. Wenn die Regierung also mehr Geld ausgeben wollte, mußte sie dafür sorgen, daß sie Geld von einem der Wirtschaftssubjekte nahm, so daß die gesamte Geldmenge konstant blieb. In dieser Art von Geldsystem hatte die Regierung erst zu besteuern oder auszuleihen, um [dann] ausgeben zu können. Diese Art der Argumentation hat sich in das moderne Geldsystem eingeschlichen. Sie gilt jedoch nicht mehr, da wir Fiat-Währungen anstatt konvertierbarer Währungen verwenden.

Aber es steckt wahrscheinlich mehr als nur das dahinter. Ein Erklärungsmuster ist, daß der Berufsstand [der Ökonomen] die Folgerungen eines Fiat-Währungssystems nicht ausgearbeitet habe. Ich glaube das nicht, denn die Menschen sind nicht so albern. Also ich denke, Sie haben tiefer zu graben, um zu verstehen, warum wir am gold-standard-typisch​en Verhalten festhalten, in einem System, das ein solches Verhalten nicht benötigt.

Wenn Sie zurück in die Geschichte schauen und verschiedene verwaltungstechnische​ Diskussionspapiere prüfen, finden Sie deutliche Anzeichen dafür, daß Verwaltungen administrative Anordnungen kombiniert haben, wie [z.B.] eine bestimmte Buchführung bei der Ausgabe von Schuldverschreibungen​, so daß es aussieht, als ob die Schulden tatsächlich die Staatsausgaben finanzierten. Diese administrativen Anordnungen wurden in den späten 1970er und den 1980er Jahren verstärkt, weil die Mehrheit der Ökonomen wußte, daß diese bestimmte Kombination administrativer Anordnungen die Freiheit der Regierungen beschränken würde, Mehrausgaben zu tätigen. Die Mehrheitsmeinung [der Ökonomen] manifestiert sich in der Überzeugung, daß die Besteuerung individuelle Anreize verzerre, daß die staatliche Kreditaufnahme die Zinsen nach oben treibe und damit Investitionen des privaten Sektors untergrabe, und daß letztendlich die Gefahr von Staatsausgaben Hyperinflation sei.

Handelt es sich also um Ideologie, oder ist es auch ein Mangel an Verständnis davon, wie das moderne Geldsystem tatsächlich funktioniert?

Nun,​ es herrscht sicherlich ein verzerrtes Bild unter Mainstream-Ökonomen vor, wie das moderne Geldsystem funktioniert. In ihren Lehrbüchern finden Sie ein Kapitel über die Rolle der Zentralbank, in dem beschrieben wird, daß die Hauptfunktion der Zentralbank darin bestehe, die Geldmenge durch Offenmarktgeschäfte zu kontrollieren – d.h. durch den Kauf und Verkauf von festverzinslichen Wertpapieren [ein Vorgang, der zwischen der Zentralbank und den Banken stattfindet] die Nachfrage nach Geld im Verhältnis zum Angebot zu regulieren. Durch diesen Prozeß, so die Theorie, sei die Zentralbank in der Lage, das Zinsziel festzusetzen.

Dies​e Lehrbucherklärung ist völlig falsch. Die Zentralbanken können nicht die Geldmenge kontrollieren. Und nicht viele Zentralbanken schenkten, über die Mitte der 1980er Jahre hinaus, der Geldmengensteuerung Glaubwürdigkeit. Denn sie erkannten, daß die Zentralbanken nur die Zinsen, nicht aber die Geldmenge steuern können. Nach dieser Erkenntnis wurde die Geldpolitik durch die Einrichtung eines kurzfristigen Zinssatzes und Sicherstellung der Liquidität auf den Kassamärkten zum Ausdruck gebrach. [Auf den Kassamärkten finden immer nur kurzfristige Abwicklungen von Börsengeschäften statt {d.h. Lieferung und Bezahlung innerhalb von 2 Börsentagen, d.h. „overnight“}; im Gegensatz zu Termingeschäften, die auf dem Terminmarkt der Börse {oder weit häufiger außerbörslich, dann auf dem sogenannten und bedenklichen „OTC-Market“} abgewickelt werden, bei denen Lieferung und Bezahlung also zeitlich immer auseinander liegen.].

Jede der Geschäftsbanken hat ein Konto bei der Zentralbank – ein Reserve-Konto – und die Reserve-Konten werden als tägliche Basis verwendet, um sicherzustellen, daß die Schecks, die wir alle unterschreiben, an jedem Tag einzulösen sind. Typischerweise interessiert sich die Zentralbank nicht für diese Reserven, so daß diese als totes Geld in der Bank stecken, wenn das Volumen der Reserven das von jeder Bank als notwendig erachtete Maß übersteigt. Heute stimmt das für einige Länder nicht mehr, aber selbst in Staaten wie Australien, in denen die Zentralbank immer eine Rendite auf Übernacht-Geldreserve​n gezahlt hat, ist diese geringer als der Leitzins. In den USA und Japan zum Beispiel ist der Null-Rücklauf dieser Reserven historisch. Also werden Banken versuchen, überschüssige Reserven an andere Banken zu verleihen, die einen Mangel daran haben könnten. Die Konkurrenz auf diesem sogenannten Interbankenmarkt bewirkt, daß das [von der Zentralbank] festgesetzte Zinsziel nach unten gefahren wird, weil die Banken jedem verzinsten Geldrückfluß, der über Null liegt, den Vorzug geben. Wenn die Zentralbank diesen Prozeß weiter ermöglicht, verliert sie [schließlich] die Kontrolle über die Geldpolitik.

Die Art und Weise, wie die Zentralbank die Kontrolle über ihren Ziel-Zinssatz halten kann, besteht darin, daß sie die Liquidität dieser Reserven verwaltet. Das heißt nimmt die Zentralbank wahr, daß die Banken ihre Reserven an einem bestimmten Tag hochhalten, lässt sie sie aus dem System abfließen, indem sie sie als einen zinstragenden Vermögenswert in Form einer Staatsanleihe ausgibt. Die Funktion von Staatsanleihen ist dann, die Zentralbank mit der Kapazität auszustatten, die sicherstellt, daß es keinen Wettbewerbsdruck auf den Ziel-Zins gibt. Hieran können Sie ersehen, daß die Funktion der Staatsanleihen etwas ganz anderes ist, als der Regierung Geld zu leihen.

Sie hören viele Politiker von „der Rückzahlung der Staatsschulden“ sprechen. Was halten Sie von diesem Spruch?

Die historische Wahrheit ist die, daß die nationalen Regierungen nur sehr selten von ihrem gesamten Schuldenstand herunterkommen. Eine Schuldverschreibung ist eine Verpflichtung der Regierung zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Kapitalbetrag zu zahlen, und in der Zwischenzeit einen gewissen Ertrag oder Zinsen auf diese Schulden gewähren. Regierungen zahlen Schulden auf für sie charakteristische Weise zurück, aber insgesamt, in einem makroökonomischen Sinne, bringen die Regierungen in der Regel ihren gesamten Schuldenstand nicht herunter. Es gibt einige seltene Fälle, in denen Regierungen ihren gesamten Schuldenstand rückgeführt haben, wie Australien zwischen 1996 und 2007.

Die konservative Regierung war in dieser Zeit sehr von jener neoliberalen Idee angetan, alle Bestände an ausstehenden Schulden loszuwerden, und so fing sie an sehr große Haushaltsüberschüsse zu bilden und zahlte ihre Schulden zurück. Nach etwa fünf Jahren wurde der öffentliche Anleihenmarkt so dünn – das heißt, es war eine solch geringe Menge an öffentlichen Schulden im System verblieben – daß die großen Investmentbanken zu protestieren begannen, da sie sich auf die Staatsschuld als risikofreie Anlage und Sicherung für alle anderen Risiken verlassen hatten.

Seltsamerw​eise vereinbarte die australische Bundesregierung, obwohl sie weiterhin Haushaltsüberschüsse erzielen würde, daß auch weiterhin Schuldverschreibungen​ in einer bestimmten Höhe ausgegeben werden sollten, um sicherzustellen, daß der Unternehmenssektor seine risikofreie Anlage habe. Während das Wall Street Journal das Übel der öffentlichen Schulden verurteilt, ist es tatsächlich so, daß der Finanzsektor nicht genug davon bekommen kann. Dies ist ein sehr schönes Beispiel für die Funktion der Verschuldung in der Neuzeit.

In der Modernen Geldtheorie sehen wir die öffentliche Verschuldung als privaten Reichtum und die Zinszahlungen als privates Einkommen. Die Staatsverschuldung ist wirklich nur ein Ausdruck des angesammelten Haushaltsdefizits, daß in der Vergangenheit ausgeführt wurde. Diese Defizite haben dem privaten Sektor finanzielle Vermögenswerte hinzugefügt, wodurch die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen befriedigt wird, die es uns ermöglicht, Einkommenszuwächse zu haben. Und das Einkommenswachstum hat uns erlaubt, finanzielle Vermögenswerte in einem weit größeren Ausmaß zu speichern und zu akkumulieren als ohne Haushaltsdefizite. Das einzige Problem, das eine fortschrittliche Person mit der öffentlichen Verschuldung haben könnte, ist die Frage, wem die Schuldverschreibungen​ gehören, und ob daraus eine gerechte Verteilung des privaten Reichtums resultiert.

Darübe​r ist eine Debatte zu führen. Aber es gibt keinen Grund, von der Höhe der Staatsverschuldung besessen zu sein. Die Regierung kann immer den öffentlichen Schuldenstand begleichen. Ein Staat kann niemals Bankrott gehen. Öffentliche Schuldverschreibungen​ werden fraglos immer erfüllt. Es gibt kein Risiko. [Die Situation in einer Währungsunion ist eine andere, wenn es keine gemeinsamen Anleihen gibt. Dann wird nämlich die gemeinsame Währung zu einer Fremdwährung für die einzelnen Mitgliedsländer, auf deren Staatsanleihen zu spekulieren sich lohnen kann {so man ein spekulationsgetrieben​es Bewußtsein hat}, und dies ist in der EWU der Fall. Keinen öffentlichen EWU-Anleihenmarkt eingerichtet zu haben, ist somit einer der Konstruktionsfehler der EWU.] Weit wichtiger ist hingegen der Sachverhalt, daß diese öffentlichen Schulden, Firmen, privaten Haushalten und anderen in der Privatwirtschaft eine Möglichkeit bieten, ihren Reichtum in risikofreier Form zu parken.

Kurz gesagt, wann sollten Regierungen beginnen, Haushaltsüberschüsse zu erzielen?

Besonder​e Haushaltsergebnisse sollten nie ein politisches Ziel sein. Die Regierung sollte sich reale Ziele setzen. Damit meine ich Ziele, die zu einem nachhaltigem Wachstum bei Vollbeschäftigung beitragen. Warum wollen wir Regierungen? Wir wollen sie, weil sie unser Wohlbefinden verbessernde Dinge tun können, die uns als einzelne zu verwirklichen nicht möglich sind. In diesem Zusammenhang wird deutlich, daß die Politik ganz darauf achten sollte, daß es genügend Arbeitsplätze gibt, daß die Armut beseitigt wird, daß die Gesundheitsversorgung​ und das öffentliche Bildungssystem erstklassig sind, daß Menschen, die weniger wohlhabend sind, in die Lage versetzt werden, ihre Situation zu verbessern etc.

Aus gesamtwirtschaftliche​r Sicht, sollten die Ausgaben- und die Steuerpolitik derart sein, daß die Gesamtausgaben in der Wirtschaft ausreichen, um die reale Produktion auf das Niveau zu heben, ab dem die Unternehmen die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte einstellen. Dies ist das Ziel und diesem Ziel muß die öffentliche Haushaltsführung dienen. Damit ist nicht gesagt, daß Haushaltsdefizite überhaupt egal wären. Der entscheidende Punkt, den die ursprünglichen Entwickler der Modernen Geldtheorie anmerken würden – ich selbst oder Randall Wray oder Warren Mosler – ist aber der, daß das Risiko des Haushaltsdefizits nicht Insolvenz, sondern Inflation ist. In dem wir das sagen, möchten wir jedoch auch betonen, daß Inflation das Risiko jeder Art von Mehrausgaben ist, ob Investitionen, Konsum, Export oder Staatsausgaben.

Je​de Komponente der gesamtwirtschaftliche​n Nachfrage könnte die Wirtschaft bis zu dem Punkt treiben, ab dem wir Inflation kriegen. Übermäßige Staatsausgaben sind dafür [also] nicht grundsätzlich verantwortlich zu machen. Mit einem Wort können wir deutlich zum Ausdruck bringen, daß wir überzeugt sind, daß Haushaltsdefizite genauso unangemessen hoch wie unzureichend sein können. Defizite können sowohl zu groß als auch zu klein sein, und das Ziel der Regierung hat es zu sein, sicherzustellen, daß sie genau dem Maß entsprechen, das ermöglicht, alle verfügbare Produktionskapazität einzusetzen.

In wiefern unterscheidet sich dieser Ansatz von dem des dominierenden Neokeynesianismus?


Nun, das neokeynesianische Paradigma beruht auf einer Reihe falscher Prämissen. Das beeinflußt die politischen Rezepte.

Falsche Voraussetzung Nummer 1: Die Regierung muß leihen, um die Ausgaben zu finanzieren.
Falsche​ Voraussetzung Nummer 2: Es gibt jederzeit nur ein bestimmtes Ersparnisbudget.
Fal​sche Voraussetzung Nummer 3: Die Regierung verhindert durch eigene Kreditaufnahme dieser begrenzten Ersparnisse die Kreditaufnahme durch die privatwirtschaftliche​n Kreditnehmer und der Wettbewerb um diese Mittel treibt die Zinsen.

Die Moderne Geldtheorie sagt folgendes: Es gibt keine endliche Menge an Ersparnissen in der Wirtschaft. Ersparnisse sind abhängig vom Volkseinkommen. Wenn das Volkseinkommen steigt, steigen die Ersparnisse. Wenn die Staatsausgaben also die wirtschaftliche Aktivität stimulieren und hierdurch das BIP und das Volkseinkommen, werden die Ersparnisse gleichzeitig steigen.

Das ist der erste Teil der Geschichte. Der zweite Teil ist der, daß die Kreditaufnahme des privaten Sektors nicht von festgesetzten Ersparnissen abhängig ist. Im neokeynesianischen Modell ist die Vorstellung von einer Bank derart, daß die Bank auf die Einlage der Ersparnisse der Sparer wartet, auf diese Weise nur einmal Einlagen ziehen und [entsprechend dieser Einlagen] Kredite vergeben kann. Mit anderen Worten, die neokeynesianische Konzeption ist derartig, daß die Banken in ihrer Tätigkeit durch ihre bestehenden Reserven begrenzt sind. Tatsächlich ist es aber so, daß Banken immer die Fähigkeit haben, Kredite für kreditwürdige Kreditnehmer zu schaffen, weil sie immer über mehr Reserven verfügen können [als sie Kredite ausgeben]. Banken können Rücklagen aus einer Vielzahl von Quellen bekommen. Jedenfalls wissen die Banken am Ende des Tages, daß sie ihre Reserven durch eigene Kreditaufnahme bei der Zentralbank decken können. Das heißt die Vorstellung von der Funktionsweise der Banken in der Modernen Geldtheorie ist sehr verschieden vom stilisierten Schema im Neokeynesianismus.


Der dritte Teil der Geschichte liegt in der Beantwortung folgender Frage: Was passiert, wenn die Regierung Schulden macht? Was auf dem Geldmarkt passiert ist folgendes: die Regierung kauft etwas vom privaten Sektor. Hierdurch bezahlt sie die Hersteller, diese entlohnen dann die Arbeiter. Eine ganze Reihe von Transaktionen ergibt sich aus diesem ersten von der Regierung getätigten Ankauf. Alle diese Transaktionen, auf ihrem Weg durch das Wirtschaftsystem, führen jeden Tag zu den Reserven der Banken. In der Regel – wenn auch nicht zur Zeit, denn wir sind in einer außergewöhnlichen Situation, in der die Zentralbank Zinsen auf Reserven zahlt – würden diese Reserven nur herumliegen und den Banken keine Zinsen bringen. Und typischerweise, wie ich es weiter oben schon erklärt habe, versuchen die Banken im Verfahren des Interbankenmarktes diese Reserven loszuwerden und senken hierdurch die Zinssätze.

Was Sie daraus lernen können ist folgendes: Haushaltsdefizite fahren die Zinsen, unabhängig von geldpolitischen Operationen, nach unten und nicht nach oben. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was orthodoxe Ökonomen behaupten, und das wird durch die vorliegende Kombination von extrem niedrigen Zinsen und sehr großen Haushaltsdefiziten bestätigt. [Siehe beispielsweise Japan, USA. Die hohen Zinszahlungen auf Anleihen verschiedener EWU-Länder sind hingegen nur der Beweis dafür, daß die Situation in der EWU deshalb eine andere ist, weil es hier keinen gemeinsamen Anleihenmarkt gibt.]

Englischer Originaltext findet man hier:

http://hir.h​arvard.edu/article/?a​=2853



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100%
(2 Stimmen)
Georg Bender sagte October 2017

Herr Christoph Pfluger

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie auf meine Interventionen, vor allem dem Kommentar aus dem Buch Vollgeld, Ihre Meinung kundtun könnten?

Grüsse Georg Bender


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50%
(4 Stimmen)
Georg Bender sagte October 2017

Verstehen die Vollgeldinitianten das geltende Geldsystem wirklich?

Ich zitiere aus dem Buch von Prof. Dr. Joseph Thomas Mayer, Vordenker: Vollgeld das Geldsystem der Zukunft:

Seite 127, Punkt 2
„Banken dürfen selbst kein Giralgeld mehr erzeugen, sondern nur noch Geld verleihen, das sie dafür von Sparern, Investoren, und von der Zentralbank zur Verfügung gestellt bekommen haben“

Meine klare Ansage:
1. Banken verleihen auch im Vollgeld kein Geld, sondern schöpfen Geld mit der Kreditgewährung.
1.1​. Dafür stellt die Nationalbank den GB das notwendige Volumen mittels Darlehen zur Verfügung.
1.1.1. Di​e Nationalbank übernimmt folgerichtig, das vollständige Delkredererisiko.
2.​ Spargeld und Investorengeld existiert nicht als Liquidität sondern nur als Zahlen in der Bankbuchhaltung. Diese Guthaben sind als Zahlen im Geldkonto registriert.
2.1. Di​ese Geldkonten funktionieren gleich wie die heutigen Bankgiroguthaben als Manöveriermasse und Schneeballsystem.
2.​1.1. Ein Übertrag von Geldkonten auf Anlagekonten (bilanzwirksam) wird als Kundeneinlage verstanden, dabei ist das Geld bereits aus einer Schuld entstanden, welche evt. die Nationalbank bereits als Darlehen abgedeckt hat. Dummheit PUR!
3. Umlage Anlagekontoguthaben (bilanzwirksam) auf Geldkonto:
3.1. Abwi​cklung fehlende Liquidität:
3.1.1. K​unde mit Geldkontoguthaben zur Anlage ermuntern (Multiplikator), wie heute
3.1.2. Nationa​lbank gewährt der GB neues Darlehen


Einzig das falsche Verständnis der Kundengelder (gibt es nicht) hätte ausgereicht, um die Initiative nicht zu bewilligen. Weil jedoch neben den Ökonomen, auch die Politiker, Judikative und Medien, weder das Geldsystem in seiner Entstehung, noch in der Funktion, verstehen können (Denkvermögen?), haben sie eine Floskel zur Ablehnung verwendet. Die gleiche Eselei, wie die Flickschusterei Rentenreform 2020.





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60%
(5 Stimmen)
Georg Bender sagte October 2017

Banken- und Geldreform (nicht Flickschusterei wie Vollgeld)
Eine Überlegung wert, oder?
Die Reaktion im Kapitalmarkt (Schuldengeldspielwar​enmarkt auch mit Geld aus faulen Krediten bestehend) wird immer hinterfragt. Ist ein Land noch Kapitalmarkt fähig? Völliger Nonsens = basiert auf den selbst auferlegten Regeln.
Änderung der Regeln:
Der Kapitalmarkt ist ein separater Markt der hauptsächlich zum Spielen neigt. Lassen wir die Spieler unter sich, sie sollen auch die Regeln aufstellen. Nur Nichtbanken dürfen daran teilnehmen.

Der real existierende Markt ignoriert dessen Ergebnisse. Voraussetzung dazu muss sein, dass das gesamte Bankensystem, nur noch mit Bankkrediten für den Staat und Realwirtschaft, Geld schöpfen darf. Die Damit einher gehen muss folgerichtig, das Verbot der Form der AG für das gesamte Bankensystem, Staatsanleihen und Privatkredite an den Staat.
Sollte nun ein Sozialwerk (Gemeinwohl), Verluste erleiden, so wird die Deckungslücke durch den Staat ausgeglichen.
Die Unternehmenskredite, welche nicht mehr bedient werden können, müssen abgeschrieben werden. Eine allfällige Unterbilanz wird als negative Geldmenge von der ZB übernommen und mit einem Negativzins auf gesetzlich festzulegender Kundenguthaben-Höhe, abgebaut.



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50%
(8 Stimmen)
Hans Knall sagte October 2017

Weil Geld aus dem Nichts geschöpft wird, wäre keines mehr vorhanden, wenn alles wieder ans Nichts zurückbezahlt würde. Genau das ist aber das Problem, das Herr Bender (und Herr Pfluger?) und seine Pseudotheortiker nicht als solches wahrnehmen wollen!

Es zeigt, dass Fiat-Geld keinen Wert repräsentiert, denn solches „Geld“ ist Nichts das aus dem Nichts kommt und ins Nichts zurückgeht. Wir erhalten also Löhne und Kaufpreise usw. bestehend aus Nichts. Wir tauschen unsere echten Werte wie Arbeit oder Produkte usw. in etwas das keinen Wert darstellt.

Wenn das Geld, wie meist im zweiten Satz „erklärt“ wird, tatsächlich in den Produkten und Leistungen stecken würde, dann wären diese und auch das Geld eben auch dann noch vorhanden, wenn alles bezahlt würde! Der Punkt ist, dass im einen Fall der Gläubiger „das Nichts“ ist und im anderen Fall entsteht gar kein Schuldverhältnis weil ja der Käufer ein echtes Produkt erhalten hat, das er mit Geld bezahlt hat, welches dem Verkäufer wiederum ein gleichwertiges Produkt garantiert.

Was auch von den grössten Theorien nicht wiederlegt werden kann und konnte ist, dass Geld nur dann einen Wert hat, wenn es ein entsprechendes reales Gut oder eine erbrachte Leistung repräsentiert. Und dafür muss halt logischerweise dieses reale Gut vorhanden oder die Leistung erbracht worden sein. Geld ist also ein Garantieschein, mit dem man jederzeit ein echtes Gut abholen kann.

Aber uns wird seit dem Ende von Bretton Woods vorgespiegelt, die Geldscheine und die Zahl auf dem Konto hätten einen eigenen, verborgenen Wert, der sich aus der Weisheit der Welt-Monopol-Zentralb​​ankenchefs erkläre und den die Menschen durch Arbeit oder die Hergabe von echten Produkten haben wollten. Reinste Esoterik.

Natürlic​h gibt es Viele, die diesen Widersinn durchschauen und die realisieren, dass das ein Betrug ist. Genau dafür ist die weltweite Monopolstellung der (letztendlich allesamt von der US-amerikanischen FED abhängigen) Zentralbanken geschaffen worden. Diese können sich bei der Realisierung des Lügenkonstrukts jeweils auf eine willige Staatsmacht stützen, welche mit gesetzlichen und polizeilichen Mitteln den Zwang zur Akzeptanz dieses Scheingeldes durchsetzt.


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75%
(4 Stimmen)
Karlos Gutier sagte October 2017

Warum wohl war die Lateinische Münzunion, die 1865 bis 1914 existierte und wo die Schweiz Mitglied war, beschränkt auf das Münzgeld und die Banknoten nicht einschloss ?


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60%
(5 Stimmen)
Georg Bender sagte October 2017

Frage an die Bewerter meiner Ansicht:
Wie viel Geld ist noch im Umlauf, wenn sämtliche Bankschulden zurückbezahlt sind?

Das Ergebnis sollte zur Einsicht reifen, dass ich mit meinen Ansichten betreffend der Ökonomen, Politiker und Medien nicht so falsch liege. Die Existenzkämpfe und Armut wäre längst überwunden, weil das Geld steckt im Preis des Produkts und Leistung gleichermassen.

Me​ine These: Die aus betreuter Bildung anerzogene Dummheit trifft eben auf die Regierenden und Bevölkerung gleichermassen zu! Dabei hat jeder Mensch ein individuelles Denkvermögen?





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67%
(6 Stimmen)
Georg Bender sagte September 2017

Wo bleiben die gescholtenen Bürger mit ihren Erkenntnissen?


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33%
(9 Stimmen)
Hans Knall sagte September 2017

Erklären Sie, Herr Pfluger, bei Ihren Vorträgen im Emmental über das Geldsystem auch die Problematik des Fiat-Money?
Wenn ja, erachten Sie es als Mangel oder als Segen des Geldsystems, dass dabei keine echten Werte vorhanden sind, welche das Geld eigentlich zu repräsentieren vorgibt?

Ich frage das, weil die Vollgeldinitiative am Grundsatz des „Monopolgeld aus dem Nichts“ keine Änderung bewirken würde.
Was erweckt bei Ihnen die Überzeugung, dass eine noch stärker monopolisierte und von einer kleinen, niemandem verantwortlichen, internationalistische​n Gruppe gesteuerte Nationalbank nach der Abstimmung eine Echtwert-Unterlegung der Schweizer Währung realisieren würde, anstatt ihr weiterhin durch galoppierende Mengenausweitung laufend zu Ungunsten der Währungsteilnehmer die Kaufkraft zu entziehen?


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